Kamaluqs Schlund/Rezension

aus Wiki Aventurica, dem DSA-Fanprojekt
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Rezension von Marc Völker, 2010

Kamaluqs Schlund erzählt die Geschichte der Junkerstocher Elanora, die sich auf die Suche nach ihrem Vater und ihren Brüdern macht, die im Dschungel Meridianas verschollen sind. Die Idee als solches ist etwas abgedroschen und bietet wenig Innovatives. Hinzu kommt, dass die Umstände, auf denen die Handlung aufbaut, nicht sonderlich glaubwürdig sind: Ein Junker aus dem Kosch, der zusammen mit allen Erben auf eine Expedition in den südaventurischen Dschungel auszieht, ist wenig überzeugend.

Die Umsetzung hingegen ist vorbildlich. Dem Autor gelingt es, über lange Strecken einen Spannungsbogen aufzubauen und auch aufrecht zu erhalten. Positiv fällt insbesondere auf, dass sich Stefan Schweikert bei seiner Erzählung nicht in unzähligen Handlungsfäden verzettelt, sondern sich mit ganz wenigen Ausnahmen auf die Handlung um Elanora von Wilderklamm konzentriert. Besonders begeistern konnten mich auch die geistreichen und witzigen Dialoge, die neben dem Spannungsbogen zweifellos die Stärke des Romans sind und bei mir immer wieder für große Erheiterung gesorgt. Das alles zusammen sorgt dafür, dass beim Leser stets eine hohe Motivation zum Weiterlesen vorhanden ist.

Die Charaktere werden vom Autor lebendig und interessant dargestellt. Zunächst erweckt Elanora nicht den Anschein, als könne sie eine Romanhandlung über mehr als 400 Seiten tragen. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich jedoch zu einer liebenswerten Sympathieträgerin, mit der sich der Leser identifizieren kann, obwohl ihre Handlungen nicht immer schlüssig und nachvollziehbar sind. Auch die Antagonisten sind interessant und spannend skizziert und heben sich deutlich vom klassischen Klischee des Bösewichtes ab. Eine besondere Erwähnung verdienen die zahlreichen Nebencharaktere, die zuweilen dermaßen skuril sind, dass man sie als Leser einfach lieben muss.

Leider enthält das Buch gleich zwei gravierende Widersprüche zum aventurischen Hintergrund. Zunächst einmal hat der Autor meines Erachten die Wirkung des Zaubers BLITZ DICH FIND mit dem FULMINICTUS verwechselt (oder aber bei der Wirkung des BLITZ maßlos übertrieben). Darüber hinaus verträgt sich das "Geheimnis von Kamaluqs Schlund" meines Erachtens nur in sehr bescheidenem Maße mit der Hintergrundbeschreibung Südaventuriens in In den Dschungeln Meridianas (2004). Etwas (viel) mehr Recherche beziehungsweise Fachlektorat wären hierzu wünschenswert gewesen.

Aufmachung:
Kamaluqs Schlund erscheint im Paperbackformat. Das Titelbild zeigt die Protagonistin Elanora von Wilderklamm und im Hintergrund eine Kreatur, die wohl eine Echse (Krokodil, Drache, Maru, etc.) darstellt. Der Roman enthält ein Glossar der verwendeten aventurischen Begriffe. Eine Dramatis Personae ist nicht vorhanden.

Fazit:
Kamaluqs Schlund ist ein interessanter DSA-Roman. Trotz oder gerade weil die Geschichte keine epischen Ereignisse behandelt, erhält der Leser für sein Geld eine spannende und kurzweilige Geschichte. Lediglich die Widersprüche zum aventurischen Hintergrund und der etwas abgedroschene Handlungsrahmen wirken sich störend aus. Von mir erhält Kamaluqs Schlund 7 von 10 Punkten.