Benutzer:StipenTreublatt/Elaria Bosvanis Reisetagebuch

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Beschreibung

Elaria Bosvani, 1,65 Schritt

Eine unscheinbare Frau mit kurzen, schwarzen Haaren, in einigermaßen abgenutzter Reise- und Wildniskleidung, die neugierig ihre Umgebung beobachtet. Am Gürtel trägt sie ein Haumesser, einen Dolch und eine Balestrina. Eine kleine Umhängetasche enthält wohl weitere Ausrüstungsgegenstände.

Bei näherer Betrachtung fällt vielleicht ein kleines, hölzernes Amulett mit einem Eidechsenzeichen auf, das sie an einer einfachen Schnur um den Hals trägt.


Hexenreigen

Liebes Reisetagebuch,

wo sind wir da nun wieder reingeraten? Ein übergeschnappter Hexenmeister, ein angeblich hilfloser Hexenzirkel, und vielleicht auch noch Dämonen? Dazu noch ein paar bestimmt wohlmeinende, aber anscheinend blutdürstige Reisende?

Aber der Reihe nach... eigentlich war ich ja auf der Suche nach ein paar sogenannten "Rittern alten Schlags", diese kuriosen Nordmenschen, die in einer eisernen Ganzkörperrüstung auf riesigen Pferden durch die Gegend reiten und meinen, damit Probleme lösen zu können. Nebenbei halte ich natürlich auch immer Ausschau nach interessanten Orten und Gegebenheiten, über die ich berichten kann (die Universität in Methumis zahlt schließlich gut für solche Dinge!), und so war mein Interesse natürlich geweckt, als in diesem kleinen Dörfchen, dessen Namen ich jetzt gar nicht gefragt habe (hoffentlich ist es nicht namenlos!), die Bauern sich seltsam verhalten haben. Auch die anderen Reisenden im Gasthaus zeigten sich an den Hintergründen interessiert, und so spendierten wir einem gesprächigen Mann ein paar Bier, bis er uns von einem Hexenmeister berichtete, der angeblich mit Dämonen im Bunde steht. Außerdem sei diese eine junge Rothaarige auch eine Hexe (rote Haare sehen ja so hübsch aus!). Die Zyklopäerin, deren Namen ich gerade vergessen habe (klang kompliziert), hat die junge Frau dann auch gleich gefragt, ob sie eine Hexe sei - was diese nicht abstritt, und uns anbot, uns am nächsten Morgen am Brunnen zu treffen.

Vielleicht sollte ich noch ein paar Worte zu meinen neuen Bekanntschaften verlieren. Da ist zuerst einmal diese Zyklopäerin, mit der offensichtlich etwas nicht stimmt, hat sie es sich doch als höchstes Ziel in ihrem Leben gesetzt, einen Drachen zu ermorden. Zudem berauscht sie sich anscheinend gerne mit Pilzen - vielleicht hilft ihr das ja, zu vergessen, wie barbarisch ihre Ziele sind? Dann gibt es da noch diese thorwalsche Bardin, die ihr Instrument nicht spielen, aber dafür singen wollte. Oh, die Zyklopäerin hat eine Flöte und kann spielen. Und die Bardin hat Angst vor kleinen Spinnen, oder so. Ob ich ihr sagen soll, dass es in den Dschungeln des Südens auch menschengroße Spinnen gibt? Sie hat auch noch ihren Freund dabei, der sich bei jedem Türrahmen ducken muss (der Arme!). Angeblich kann er zaubern, er hat auch so einen Stab dabei, aber ich habe da noch nichts gesehen. Dafür ist er auf einen verschimmelten Baum geklettert (Igitt!). Und zuletzt folgt uns da noch so eine missmutige Gestalt, angeblich ein horasischer Söldner, der die letzten Monate darauf gewartet hat, dass in diesem kleinen Dorf jemand vorbeikommt, der ihn anheuern will. Bin mir nicht sicher, ob man ihm trauen kann, er benimmt sich reichlich seltsam.

Oh, mein Essen ist fertig. Ich schreibe später weiter.


Liebes Reisetagebuch,

wo war ich stehen geblieben? Hatte ich die rothaarige Hexe schon erwähnt? Also, die hat am nächsten Morgen - diesen Morgen - auf uns am Brunnen gewartet, mit einer absolut niedlichen Katze, die sich von mir sogar füttern ließ! Danach ist sie mit uns in den Wald - ich war ja etwas skeptisch, da es ja hieß, da wären Dämonen, aber ich dachte mir eben, dass die anderen mir im Zweifelsfall einen ausreichenden Vorsprung verschaffen würden. Schnell laufen kann ich ja, wie meine bisherigen Expeditionen gezeigt haben!

Auf jeden Fall, im Wald hat die Hexe uns dann noch mehr berichtet über den Hexenmeister und die ganze Situation. Erstaunlicherweise waren die anderen sofort bereit, allein aufgrund dieser Erzählung Köpfe rollen zu lassen! Mein Vorschlag, doch erst einmal mit dem Mann zu reden, wurde rundheraus abgelehnt; wie ich schon schrieb, anscheinend bin ich hier in Gesellschaft einiger blutdürstiger Gesellen, TSA bewahre!

Immerhin konnte ich die anderen davon überzeugen, vielleicht doch erst mehr Informationen zu sammeln. Die junge Hexe verwies uns dazu an die ehemalige Zirkelführerin und beschrieb uns den Weg zu der Höhle dieser Frau. Ich denke, im Folgenden haben meine Reisegefährten meine Erfahrungen bei der Wegsuche durch unbekanntes Gelände zu schätzen gelernt; würden sie doch meine Gedanken bezüglich dem Thema Gewalt genauso ernst nehmen! Auf dem Weg zur Höhle bemerkte ich einen großen Raben, der uns offensichtlich beobachtete. Die anderen raunten gleich von "bösen Omen" und ähnlichem, ich halte das für abergläubischen Unsinn. Anscheinend folge der Rabe uns dann auch noch zur Höhle, erzählten mir die anderen später, ich selbst habe darauf nicht geachtet, weil ich damit beschäftigt war, den Weg zu suchen.

Die Zyklopäerin entschied sich, an der Höhle angekommen, dazu, nicht hineinzugehen; anscheinend ist ihr in engen Räumen unwohl. Kann ich nicht verstehen, in Höhlen und Kavernen findet man doch oft die interessantesten Dinge! Die alte Hexe war erstaunlich nett und versorgte uns sofort mit ihrer (leckeren!) Pilzsuppe, bevor sie uns noch mehr über die Situation erzählte. Auch mir erschien die Geschichte danach deutlich glaubwürdiger, vor allem dadurch, dass die Hexe uns bat, den Mann nicht einfach umzubringen, sondern nur von seinen dunklen Plänen abzubringen. Natürlich raunten ein paar der anderen sofort, dass es ja doch nötig sein könnte, ihn umzubringen. Wie kann man nur so heiß auf den Gedanken sein, einen Menschen zu ermorden?! Wie auch immer, um uns dabei zu unterstützen, den Hexer auf eine "sanfte" Weise auszuschalten, versprach uns die Hexe, etwas zu brauen, das ihn ins Reich der Träume schicken soll; dazu fehle ihr aber noch ein Fisch, den wir aus einem nahen Weiher ziehen sollten. Gleichzeitig bräuchten wir aber auch noch ein paar Feenpilze, die in einem großen Pilzwald in der Nähe wachsen würden. Ich erklärte mich sofort zum Pilzesammeln bereit, da ich davon ausging, dass die Nordleute deutlich geschickter beim Fischefangen sein würden. Und tatsächlich meinten die beiden, dass sie den Fisch angeln würden. Der seltsame Söldner schloss sich ihnen an, womit es an der Zyklopäerin und mir liegen würde, die Pilze zu pflücken. Nach einer (wirklich) kurzen Verabschiedung von der Hexe machten wir uns also auf den Weg.

Auf dem Weg zu der Wegkreuzung, an der wir uns von den Anglern trennen würden, bemerkten wir auch noch den bereits genannten verschimmelten Baum, der laut den Hexen etwas mit dem Hexenmeister zu tun haben sollte. Der Magier fand dies so faszinierend, dass er den Baum sofort hochkletterte, und ganz oben in den Zweigen eine Art Gedicht fand, das anscheinend auf den Hexer zurückgeht, und, so es denn wirklich von ihm ist, deutlich zeigt, dass dieser Mann ein wirkliches Problem mit seinen Aggressionen hat.

Kurz darauf trennten wir uns dann, und dank meiner kompetenten Führung (sowie den weit sichtbaren Riesenpilzen - vielleicht sollte ich kurz darauf hinweisen, dass ich noch nie von Pilzen gehört habe, die Baumgröße erreichen?! Dem Rest erschien das wohl nicht außergewöhnlich...) erreichten wir kurz darauf den Pilzwald, wo die Zyklopäerin und ich sich ans Pilzesammeln machten. Nachdem ich schon ein paar Pilze herausgerupft hatte (die sich allerdings jedes Mal als die Falschen herausstellten), zeigte mir die Jägerin zu meinem Schrecken einen Pilz mit Augen, der mit ihr sprach (woraufhin auch einige andere Pilze die "Augen" öffneten). Dieser sprechende Pilz bot uns daraufhin die gewünschten Feenpilze an, sowie noch ein paar Regenbogenfarbene, von denen die Zyklopäerin sofort einen probierte... und daraufhin offensichtlich die ganze Welt sehr bunt wahrnahm (und sehr viel Unsinn erzählte). Ich führte sie also geduldig wieder zu den anderen, denen sie sofort auch einige Regenbogenpilze anbot - die zwei Thorwaler zögerten nicht lange. Der Magier schien nicht beeinflusst zu werden, aber die Frau benahm sich daraufhin genauso seltsam... Mit arg strapazierten Nerven führte ich die Gruppe (die Zyklopäerin an der Hand) zurück zur Hexe, die die Pilzwirkung auf meine Bitte hin wieder wegzauberte. Da die anderen immerhin den Fisch gefangen hatte, braute uns die Hexe den Trank, und wir entschieden, am nächsten Tag den Weg zur alten Mühle (wo der Hexenmeister lebt) anzutreten (anscheinend ist er nachts mächtiger, oder so). Dennoch wollten die anderen die Mühle bereits heute schon mal auskundschaften, und so führte ich sie abseits der Wege (nach der Wegbeschreibung der Hexe) Richtung Mühle. Auf dem Weg begegnete uns aber wieder ein Rabe, und da die alte Hexe uns mittlerweile bestätigt hatten, dass der Hexenmeister einen Raben als Vertrautentier hat, beschlossen die anderen sofort, das arme Tier abzuschießen. Dieser Entschluss wurde ihnen wohl auch dadurch erleichtert, als dass der Rabe plötzlich zum Angriff überging. Die Details sind mir nicht mehr präsent (ich war etwas geschockt ob des plötzlichen Gewaltausbruchs), aber die Sache endete damit, dass der Rabe schwer verletzt davonflog.

An der Mühle angekommen ließ ich die anderen mein Fernglas benutzen, und während sie schon am Pläne schmieden waren, dämmerte ich leicht vor mich hin. Irgendwie sind wir dann auch wieder ins Dorf zurückgekehrt, wo ich todmüde auf mein Nachtlager fiel und sofort schlief.



Liebes Reisetagebuch,

mir ist gerade etwas langweilig hier in der Höhle der Alten, deswegen schreibe ich Dir jetzt schon mal die Ereignisse des heutigen Tages, auch wenn dieser sich noch nicht dem Ende zuneigt.

Und zwar mussten wir heute morgen beim Aufstehen feststellen, dass sowohl die Zyklopäerin als auch der Söldner sich anscheinend aus dem Staub gemacht haben. Ob sie ihre Zuneigung zueinander entdeckt haben, oder die Sache einfach schon selbst in die Hand nehmen wollten, sich aber im Wald verlaufen haben, oder von dem Hexer verzaubert wurden, werden wir wohl so schnell nicht erfahren... jedenfalls waren und bleiben sie vorerst verschwunden.

Mir war das ganz recht, die Beiden waren eh die Blutdürstigsten der Gruppe. So sind wir eben zu dritt zur Alten Mühle aufgebrochen, die beiden Nordleute unter meiner Führung. Dort angekommen, haben wir uns im Schutz des Waldes herangeschlichen und mit einem der Pilze den Schutzkreis aus schlechten Pilzen unterbrochen - beim weiteren Heranschleichen übersahen die beiden Nordleute aber die paar im Weg herumliegenden Äste und machten einen Riesenlärm, sodass sie sich dazu entschieden, einfach anzuklopfen. Der Hexer, der daraufhin aus dem Fenster schaute, sah eigentlich gar nicht so böse aus, aber wir waren trotzdem vorsichtig. Die Nordfrau erklärte ihm, dass wir uns verlaufen hätten, und den Pilzwald suchen würden. Als der Hexer uns daraufhin den Weg zu dem Pilzwald wies, bat ich ihn, ob wir nicht hereinkommen und etwas ausruhen könnten - wir würden ihm auch von unserem Proviant etwas abgeben! Er erklärte sich einverstanden, und so begegneten wir uns in seinem Wohnraum, der ziemlich hübsch tulamidisch eingerichtet war (es muss ein Vermögen gekostet haben, diese Sachen hier in den Norden schaffen zu lassen!).

Daraufhin begann ein nettes Versteckspiel, aus dem wir deutlich als Sieger hervorgingen: Er versuchte uns über Tee und Bier Schlafmittel zu verabreichen, und wir, besser gesagt ich, ihm über den Proviant. Der Nord-Magier war wieder mal völlig unbeeindruckt von jeglichen Beimischungen in seiner Nahrung, und ich verzichtete darauf, von dem Tee zu trinken, mit der (zutreffenden!) Begründung, dass ich einfaches Wasser bevorzuge (das ich aus meinem eigenen Wasserschlauch trank).

Nach einigen Wortwechsel, bei dem uns der Mann auch über die Hexen ausfragte, besser gesagt, was wir bei der Alten gemacht hätten (was ich, einigermaßen zutreffend, damit beantwortete, dass die Hexen uns seltsame Geschichten über jemanden erzählt hätten, der dem Dorf schaden wolle, wir dies aber nicht wirklich glauben würden), griff er endlich zum von mir mit dem Schlaftrunk der Hexe präparierten Proviant und kostete vorsichtig. Während die Nordfrau, die begeistert von Tee und Bier getrunken hatte, fast schon mit dem Kopf auf der Tischplatte aufschlug, wurde der Hexer auch deutlich müder, und meinte plötzlich, er wolle in sein Bett. Ich bot ihm an, ihn zu stützen, was er zuerst ablehnte, aber sich dann doch nicht mehr allzusehr wehrte, als er auf dem Weg zur Treppe fast stürzte.

So führte ich den benommenen Hexer also zu dem Raum, in dem angeblich sein Schlaflager war - dort hockte aber nur der Rabe inmitten seines Nestes, und in einer Ecke lag ein Haufen Stroh, auf das der Hexer dann gebettet werden wollte. Der Rabe, der kurz darauf heranhüpfte, bekam von mir rasch auch ein Stück von dem Proviant angeboten und schlief auf der Stelle ein, nachdem er den Fehler gemacht hatte, dies anzunehmen.

Da der Hexer nun also ausgeschaltet war, machte sich der Nordmann daran, ihn in ein Bettlaken einzurollen und so transportfertig zu machen, während ich den armen, verletzten Raben vorsichtig einpackte.

Dem Nordmann gelang es kurz darauf sogar wieder, die Nordfrau aufzuwecken, die mir dann ihrerseits dabei half, eine verschlossene Truhe im wirklichen Schlafzimmer des Hexers zu öffnen. Darin befanden sich aber nur ein paar Goldmünzen, die wir alle drei sicherheitshalber an uns nahmen - nicht dass während seiner Abwesenheit noch irgendwelche Banditen hier vorbeikommen und den armen Hexer einfach ausrauben!

Der große Nordmann hat daraufhin den eingerollten Hexer (unter meiner Führung) zur alten Hexe geschleppt, mit der wir gerade vorhin das weitere Vorgehen besprochen haben. Letztlich haben wir uns darauf geeinigt, dass die Alte nach Trallop fliegt, um dort einen Praioten anzufordern, der die ganze Sache aufarbeiten soll.

Und so sitzen wir nun in der Höhle der Alten, passen auf den Hexer auf (naja, die zwei Nordleute zumindest), und warten geduldig auf die Rückkehr der Alten. Zumindest haben wir genug leckere Suppe hier noch im Kessel, aber mir ist doch etwas langweilig.

Selbst der Rabe, den wir in einen passenden Käfig gesteckt haben, schläft immer noch.

Naja, ich denke, ich gehe etwas nach draußen, mich umschauen. Die Höhle hat außer einigen Zutaten (viele davon irgendwelche halbvergammelten Überreste von Tieren) nicht viel zu bieten.




Liebes Reisetagebuch,

nur schnell in aller Kürze vor dem Schlafengehen:

Gestern - nein, heute morgen, nach dem Aufstehen, ist die Alte dann wieder auf ihrem Besen zurückgekehrt und hat angekündigt, dass ein Praiosgeweihter auf dem Weg ist, der in zwei Tagen eintreffen dürfte.

Da die Alte uns versichert hat, auf den Hexer aufpassen zu können (sie hat übrigens gestern noch so... Wurzeln oder Ranken wachsen lassen, die ihn festhalten), sind wir noch mal in die Mühle, um diese zu plü... untersuchen. Tatsächlich sind uns dabei noch ein paar Wertsachen in die Hände gefallen, die wir sorgfältig verwahren werden. Weiterhin fanden wir aber auch Beweise für das schändliche Treiben des Hexers, Phiolen voller Blut und ähnliches. Wir haben dies an Ort und Stelle gelassen und werden es dem Praioten übergeben.

Auf dem Rückweg führte ich die anderen dann noch an dem Baumhaus der dritten Hexe im Bunde vorbei, die wir bisher gar nicht gesehen hatten (deren Wohnort mir aber die Alte freundlicherweise verraten hatte). Sie war nicht so aufgeschlossen wie die anderen beiden, und ihre Wohnung, hoch in einem Baum, auch nicht sehr einladend - gab es doch für uns Nicht-Fliegende keine Möglichkeit, auf einfache Weise dort hinaufzugelanden (die Hexe konnte dort übrigens einfach hinaufspringen, hätte man ihr vom Körperbau her gar nicht zugetraut).

Meine freundlichen Rufe wurden von ihr jedoch bald beantwortet, und sie gesellte sich kurz zu uns, um uns ein paar Fragen zu beantworten. Sie muss wohl gerade an etwas Wichtigem gearbeitet haben, denn sie beendete die Unterhaltung bald, jedoch nicht, ohne mir vorher einen hübschen Hasenpelz verkauft zu haben (den sie selbst bearbeitet hat! Ich besitze jetzt also einen Pelz aus echter Hexenfertigung!).

Nach einem kurzen Besuch im Dorf bei der Rothaarigen (diese Haare!) quartierten wir uns wieder im Dorf ein.

Morgen, spätestens übermorgen, soll der Praiot eintreffen. Ich bin gespannt.



Liebes Reisetagebuch,

Dörfer sind im Allgemeinen schon recht langweilig. Jedenfalls sitze ich gerade an einem Lagerfeuer mit meinen Reisegefährten, zu denen derzeit auch ein Praiot und sein Gehilfe, sowie ein eingeschnürter Hexer und sein Rabe im Käfig gehört.

Wir sind auf dem Weg nach Trallop. (Seit meinem letzten Eintrag sind zwei Tage vergangen).

Der Rabe kann übrigens sprechen! Ein sehr nettes Tier, eigentlich, wenn man bedenkt, dass er zu diesem durchgeknallten Hexer gehört, der es als sein Lebensziel ansah, ein paar ungewaschene Bauern zu beherrschen... Jedenfalls habe ich mit dem Raben jetzt schon einige nette Gespräche geführt. Ich wüsste ja zu gerne, was mit ihm geschehen wird...


Die Paligan-Akten

Liebes Reisetagebuch,

Ich wurde angeworben! Endlich! Gut, es ist keine Expedition... aber ich muss auch keinen Stall ausmisten (hoffe ich). Aber der Reihe nach: Der Tag lief wie alle anderen in Beilunk bisher auch: Viele interessante, wohlgekleidete Leute mit wenig Interesse daran, einer hervorragenden Entdeckerin wie mir eine Expedition zu finanzieren, dafür wurde ich aber ab und zu mit einer Dienerin verwechselt (dabei habe ich mir doch extra für diesen Hoftag edle Kleidung gekauft! Die war teuer!). Dann aber setzte ich mich zu einer Gruppe etwas seltsamer Gestalten, und das Schicksal nahm wie schon in Weiden seinen Lauf (vielleicht sollte ich das öfter mal machen? Aber... "seltsam" kann ja auch "ungut seltsam" bedeuten.... wie auch immer, diese Leute waren nett). Es handelt sich um einen Adligen aus... tja, wo kam der noch mal her? Schon wieder vergessen. Jedenfalls hat er viel Geld, aber irgendwelche Probleme mit seiner Wappenrolle. Paranor Arlaton hieß er (sollten Adlige im Mittelreich nicht eigentlich ein "von" im Namen haben? Was weiß ich, vielleicht eine Ausnahme.) Dann war da noch eine Frau aus der Schwesterschaft der Mada, Solivai mit Namen, mit der muss ich mich die Tage mal näher unterhalten. Sie hat mir meine Geschichte aus Weiden nicht geglaubt, ich weiß nicht genau, warum. Waren diese Ereignisse etwa so unglaubwürdig? Und zuletzt noch so ein süßer Kerl mit so leicht angespitzten Ohren, was genau der hier macht, habe ich leider nicht mitbekommen, da war ich wohl gerade von seinen niedlichen Ohren abgelenkt. Ordhan heißt er, er kommt aus Albernia. Vielleicht ist er ja mit Feen verwandt?

Jedenfalls bin ich gerade dabei, von meinen Expeditionen sowie den Ereignissen in Weiden zu erzählen, als so ein total edler Kerl vom Nebentisch aufsteht und uns anbietet, für das Mittelreich eine wichtige Aufgabe zu erledigen! Sogar mit Bezahlung! Ich habe natürlich sofort zugesagt, bevor der sich das noch anders überlegt (die anderen haben noch eine Weile herumgefeilscht, stell dir das mal vor! Aber die scheinen ja auch alle gut Geld zu haben, jedenfalls schien es mir nicht so, als hätte einer der anderen das Problem, spätestens in ein paar Wochen mittellos dazustehen... so wie eine gewisse Entdeckerin, die uns beiden ja sehr gut bekannt ist... jaja, ich weiß, schlechte Planung und so, aber ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass es so schwierig sein würde, einen Gönner zu finden! Tja, wäre ich hübsch, hätte ich vielleicht weniger Probleme... aber ich habe mir doch schon edle Kleidung geleistet, was soll ich denn noch machen, mich pudern? Davon bekomme ich doch immer Ausschlag!)

Also hat uns der Kerl, Egtor von Ibenburg mit Namen - der hat wohl eine wichtige Position im Reich, jedenfalls war seine Nase entsprechend hochgereckt während dem Gespräch mit ihm - erzählt, dass da eine wichtige Person gerade gestorben ist, irgendwas Paligan, und dass die wohl wichtige Unterlagen hat, die wir abholen sollen. 'Geht klar', habe ich mir gedacht, und schnell zugesagt. Morgen treffen wir uns wieder, dann sagt er uns, wie wir nach Perricum kommen. Genau, der Kerl, der uns die Sachen geben soll, lebt wohl in Perricum. Die anderen sind noch unten in der Schenke geblieben, ich hingegen habe es mir hier im Schlafsaal gemütlich gemacht, um das schnell alles aufzuschreiben, und dann ausgeschlafen morgen an die Arbeit zu gehen. Ich werde bezahlt! Gute Nacht, liebes Reisetagebuch, wir sehen uns morgen!


Liebes Reisetagebuch,

Die letzten Tage ist viel passiert! Also, eigentlich nur heute, die Schiffahrt war nicht so aufregend, aber dennoch ist mein letzter Eintrag ja einige Tage her. Aber der Reihe nach: Am Morgen nach dem Treffen mit dem Ibenburg haben wir uns mit ihm vor dem Gasthaus getroffen, wo er uns eröffnete, dass unser Schiff praktisch sofort auslaufen würde. Ich bin natürlich sofort losgerannt, da ich das Schiff und damit meinen Lohn auf keinen Fall verpassen wollte! Die anderen haben sich mehr Zeit gelassen, insbesondere Herr Klapperplatte, also der Adlige ohne Wappenrolle. Der Ibenburg ist derweil ganz gemütlich nebenher geritten und hat uns dann am Schiff verabschiedet. Oh, jetzt habe ich doch was vergessen, vor dem Treffen mit dem Ibenburg haben mir die anderen, insbesondere Herr Klapperplatte, noch mitgeteilt, dass sie den gestrigen Abend noch genutzt haben, um sich umzuhören, wer noch Interesse an diesen Paligan-Akten haben könnte, und tatsächlich haben sie erfahren, dass es da noch zwei weitere Leute gibt: Eine Ishara Cavazaro, die für eine andere Paligan arbeitet (also nicht die, die gestorben ist, logischerweise), und einen Sinold Sturmfels, vielleicht auch von, der irgendein Offizier ist. Erstaunlich, was man in einem Gasthaus so erfahren kann! Ob die beiden auch ihre Leute nach Perricum schicken, um die Sachen abzuholen? Sollten wir uns vielleicht beeilen.

Auf jeden Fall waren wir dann auf dem Schiff Richtung Perricum. Die Überfahrt dauerte einige Tage, aber gar nicht so lange eigentlich, wenn man bedenkt, dass alle davon geredet haben, dass Beilunk ja vor einer Weile noch mitten in den Schwarzen Landen lag... die können dann ja nicht so groß gewesen sein, wenn man in ein paar Tagen Schiffahrt zum wichtigsten Hafen des Mittelreichs kommt. Wie auch immer, ich habe mich während der Überfahrt ein wenig mit dem Kapitän unterhalten, ein netter Mann eigentlich, arbeitet bevorzugt für das Mittelreich. Kann ich verstehen, anscheinend zahlen die ja gut für Botendienste.

In Perricum angekommen sind uns dann gleich mal zwei Dinge aufgefallen: Erstens waren überall Zerstörungen zu sehen, und zweitens liefen überall Schwerbewaffnete mit grimmigen Gesichtern herum. Uns wurde mitgeteilt, dass hier vor einer Weile ein Angriff von Haffax stattfand (auf meine Frage, ob das nicht so ein Dämonenkerl aus dem Osten war, habe ich statt einer Antwort nur komische Blicke bekommen, anscheinend sollte man das wissen?), und dass die Schäden nur langsam behoben würden. Ich meinte daraufhin, dass es ja schneller gehen würde, wenn die ganzen grimmigen Leuten mal ihr Mordwerkzeug beiseite legen und mit anpacken würden. Als Antwort bekam ich, dass die eben mit Planungen beschäftigt wären - was ich stark bezweifle! Was bitte hat denn ein einfacher Fußsoldat zu planen? Wieviel Proviant er einpacken muss?

Bekomme gerade Hunger, schreibe später weiter!




Jedenfalls haben wir uns dann mithilfe unserer Reisekasse im Hotel Kaiser Reto eingerichtet, wobei ich mir gleich mal ein warmes Bad gegönnt habe, dem sich Solivai angeschlossen hat, womit sie mir die Gelegenheit gegeben hat, sie mal ein wenig auszufragen. Hat sich herausgestellt, dass sie eine Hexe ist! Erstaunlich, hätte ich jetzt nicht gedacht, sie hat ja gar kein Tier dabei? Oder hat sie das bisher nur versteckt? Und wo? Jedenfalls war das wohl der Grund, warum sie mir die Ereignisse in Weiden nicht abgenommen hat. Anscheinend konnte sie nicht glauben, dass jemand aus ihrer Tradition so einen Unsinn verzapfen könnte. Allerdings musste sie zugeben, dass sie noch nie einem Hexer persönlich begegnet war, das ist wohl sehr selten. Ich habe dann spekuliert, dass es wohl einen guten Grund hat, dass Hexen keine Männer ausbilden, wenn die dann gleich Allmachtsfantasien bekommen. Sie hat mir dann auch noch ein wenig über ihre Arbeit für die Schwesternschaft der Mada erzählt und lachend bestritten, dass sie als Stadthexe während einer Hexennacht nackt in einem Gebäude um ein Feuer tanzt.

Nach dem Bad war es dann auch bald Zeit, zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen, so einer nicht gerade schicken Hafenschenke. Nach einigem Warten ist unser versprochener Informant aber immer noch nicht aufgetaucht, also haben wir, also die Hexe und ich, uns mal beim Wirt erkundigt, was los ist. Herausgefunden haben wir dabei, dass der Kerl bis gestern jeden Tag zur gleichen Zeit hier war, und dass er wohl in der Markgräflichen Residenz arbeitet. Ich habe den anderen daraufhin vorgeschlagen, dass uns Herr Klapperplatte wohl Zugang zur Residenz verschaffen könnte, dass er dazu aber erst mal seine Klapperplatten anlegen müsste (um mehr Eindruck zu schinden). Mein Vorschlag wurde aber abgelehnt, und so sind wir einfach mal ohne Plan zu Residenz gelatscht. Dort angekommen, bemerkten wir zu unserem Erstaunen, dass der Hintereingang völlig unbewacht war, und dort dauernd einfach Leute ein- und ausgegangen sind. Anscheinend Bedienstete? Jedenfalls habe ich da mal eine junge Frau angesprochen, die mir sagen konnte, wo unser Gesuchter wohnt, und dass sie sich Sorgen macht, weil er seit gestern abend verschwunden ist.

Ich habe ihr versprochen, mich um die Sache zu kümmern, und habe die anderen daraufhin zum Wohnhaus des Mannes geführt. Im Rückblick hätten wir vielleicht zuerst mal die Nachbarn befragen sollen, aber das süße Spitzohr meinte zu mir, dass er sich mal den Hintereingang anschauen wollte, und dass ich ihm dabei mal Blickschutz bieten solle. Also habe ich meinen Mantel ausgebreitet und erstaunt mitangesehen, wie er das Schloss aufgeschlossen hat - woher hat er denn einen Schlüssel für diese Tür? Da die Tür also schon offen war, haben wir uns gleich mal im Haus umgeschaut, wo es stockdunkel war, weswegen der Albernier in der Küche ein paar Fackeln aufgetrieben und entzündet hat (warum bewahrt jemand Fackeln in der Küche auf?!). Vorsichtig mit Fackel in der Hand habe ich also das Haus erkundet, die anderen hinterher, und im ersten Stock unter seinem Bett einen Zettelfetzen mit dem hastig hingekritzelten Namen "Ishara" gefunden. Wir haben also messerscharf gefolgert, dass er wohl von dieser Frau entführt wurde. Da im Haus ansonsten nichts zu finden war (noch nicht einmal Wertsachen, die ich hätte sicherstellen können!), haben wir uns also wieder auf die Straße begeben, wo uns doch noch die Idee kam, mal die Nachbarn zu befragen. Insbesondere die gegenüberliegende Flickschneiderei schien geeignet, also wurde ich dort mal vorstellig.

Die alte Besitzerin war etwas... speziell, hatte aber gesehen, was passiert war (und war nach einer kleinen Bestechung auch bereit, darüber zu reden): Eine Frau mit tiefausgeschnittenem Mieder und Federhut hatte ihn besucht, und ihn kurz darauf von zwei Männern niederschlagen und auf einen Karren verfrachten lassen. Anscheinend dachte die Frau, dass es sich dabei wohl um Streitereien eines Liebespaares handelte, jedenfalls hielt sie es nicht für nötig, die Stadtwache zu informieren. (Mir fehlen gerade etwas die Worte, um dieses Verhalten zu beschreiben) Jedenfalls haben wir uns dann noch etwas im Hafen umgehört (da die Leute mit dem Karren anscheinend Richtung Hafen unterwegs waren) und herausgefunden, dass der Karren wohl zu einem Lagerhaus gezogen wurde, das schon länger nicht mehr benutzt wurde. Das wollen wir uns dann heute nacht mal anschauen. Bin etwas aufgeregt und hoffe, dass es nicht zu Gewalttätigkeiten kommt.



Liebes Reisetagebuch,

Wir sitzen gerade in einer Kutsche, und ich habe endlich wieder Zeit, dir zu berichten, wie die Aktion gestern nacht gelaufen ist! Wir haben unter meiner Führung problemlos zu dem Lagerhaus gefunden, vor dem einer der Entführer Wache stand. Ich habe sofort angeboten, den Mann abzulenken, während die anderen nach einem anderen Weg in das Haus suchen sollten. Die anderen hatten nichts dagegen, also bin ich direkt hin, habe so getan, als hätte ich mich verlaufen, und ein wenig mit ihm geplaudert. Er war ziemlich nervös, aber eigentlich recht nett, und hat mich dann sogar in eine gepflegte Taverne eingeladen, mir etwas ausgegeben und eine Weile mit mir geplaudert. Okam hieß er, hat er mir dann auch verraten, und mir ein wenig über Perricum erzählt. Er war ja in der Stadt, als der große Angriff stattgefunden hat, und konnte mir da einiges erzählen. Muss ziemlich schrecklich gewesen sein!

Naja, schließlich hat er sich dann aber verabschiedet, ist aber nicht Richtung Lagerhalle zurückgelaufen, also bin ich auf direktem Weg dorthin. Und was finde ich dort? Die anderen stehen immer noch vor der Tür (bis auf die Hexe, die war erst gar nicht zu entdecken, ist praktisch mit den Schatten der Umgebung verschmolzen. Ob die gezaubert hat?)! Später haben sie mir dann erklärt, dass da zu dem Zeitpunkt, als wir dort angekommen sind, ein paar Leute dabei waren, unseren Gesuchten zu befragen - und da wollten sie nicht stören. Erst als die weg waren, sind sie aus ihren Verstecken gekommen, und wollten jetzt gerade reingehen und den Mann ebenfalls befragen. Ich also hinterher - und beim Anblick von dem Gefesselten sofort den Dolch gezückt und die Fesseln zerschnitten! Der arme Mann. Hat uns dann erklärt, wo wir die Sachen finden können, die wir brauchen, um bezahlt zu werden: Auf einem Landsitz der Verstorbenen. Allerdings wüsste das jetzt auch unser Konkurrent, der ihn gerade befragt hatte. Bei dieser Information bin ich dann etwas voreilig davongeeilt (ich sah eben meine Felle davonschwimmen!), auf dem Weg ins Gasthaus ist mir aber eingefallen, dass er die Frau gar nicht erwähnt hatte, also die, die ihm einen Besuch abgestattet hatte. Ich also wieder umgekehrt, die anderen waren noch dabei, ihn zu befragen (und haben anscheinend eine genaue Wegbeschreibung von ihm bekommen, hätte nicht gedacht, dass so ein feiner Kerl Ahnung von sowas hat! Werden die nicht immer mit einer Kutsche gefahren?), also konnte ich ihn dann auch noch fragen, was die Frau bei ihm wollte, ob sie eine Affäre mit ihm hat? Er natürlich entsetzt abgelehnt, aber gleich verrraten, dass... autsch, das war eine Unebenheit in der Straße, verflucht! Jetzt ist es hier ein wenig verschmiert. Naja. Wo war ich? Ach ja, er hat uns verraten, dass er der Frau auch alles verraten hat (eine richtige Plaudertasche ist er!), weil die die Vertraute von der Paligan ist, die man sich nicht zum Feind machen sollte. Will ich ja auch gar nicht, ich will nur meinen Auftrag ausführen, damit ich bezahlt werde! Oh, und er hat uns verraten, wo genau in dem Landsitz das Zeug ist, und dass wir einen Schlüssel brauchen, der am Halsband von so einen Köter hängt, der nach dem Tod der Frau von der Tochter eines lokalen Adligen adoptiert wurde (und aus irgendwelchen Gründen "Tarquinio" heißt - der Name erinnert mich an irgendwas, muss mal nachdenken). Puh, was ein Wirrwarr.

Die Straße wird jetzt echt zu übel, ich schreibe später weiter.



So, Straße ist wieder besser. Ob das Schäden aus dem Kriegsblödsinn von vor kurzem waren?

Wie auch immer, mir ist gerade noch eingefallen, dass die anderen mir bei der Sache mit dem Lagerhaus geraten haben, ich solle die Wache verführen. Erst einmal - was denken die denn, wie nötig ich es habe?! Außerdem ist das echt nicht meine Spezialität (das passende Aussehen fehlt mir obendrein). Und zuletzt - Okam war ja ein ganz netter Kerl, aber ins Bett möchte ich mit dem echt nicht.

Nun ja. Nach der Sache mit dem Lagerhaus sind wir erst mal wieder zurück ins Gasthaus und haben uns schlafen gelegt, so mitten in der Nacht sind ja zivilisierte Vorgehensweisen zur Erlangung des Schlüssels nicht so ganz möglich. Oh, ich habe vorher noch bei der Bedienung im Schankraum nachgefragt, wo diese Patrizierfamilie denn wohnt (ich glaube, die anderen gewöhnen sich langsam daran, dass sie mit mir als Führerin problemlos immer den Weg finden, ohne sich zu verlaufen).

Nächsten Morgen wurden wir dann wie gewünscht noch vor Morgengrauen geweckt und haben beim Frühstück besprochen, wie wir jetzt vorgehen. Meine Idee war, der Tochter was davon zu erzählen, dass unsere Hexe eine Wahrsagerin ist, und sie in einer Vision gesehen hat, über die sie jetzt mit ihr reden will. Herr Klapperplatte sollte dann, falls das nicht funktioniert, den offiziellen Adelsweg gehen. Das Spitzohr hat dann noch etwas Fleisch für den Hund mitgenommen, für alle Fälle. Am Ziel angekommen, hat sich allerdings gezeigt, dass mein Plan nicht durchführbar war - anstatt wie erwartet eine zumindest junge Frau zu sehen, spielte da im Garten ein kleines Mädchen mit dem Hund. Und es wäre ja erstens fies, so ein Mädchen hinters Licht zu führen, und zweitens würde eine solche Geschichte wohl zuerst die Wachen auf den Plan rufen, was uns wohl nicht so gelegen kommen würde. Jedenfalls haben wir unseren Plan dann überarbeitet: Herr Klapperplatte, der einzige von uns, der hochstehend genug wirkt, dass es keinen Argwohn erregen sollte, wenn er das Mädchen über den Zaun hinweg anspricht, sollte genau das machen und dem Mädchen das Halsband mit dem Schlüssel abschwätzen - wozu wir erst einmal auf den Markt gegangen und ein edles neues Halsband gekauft haben (die Auswahl war etwas dünn, aber Perricum ist eben eine mittelreichische Stadt, was soll man machen...), wobei unsere Hexe die Auswahl getroffen hat, nachdem ich darauf hingewiesen habe, dass Hexen ja wohl für ihren guten Geschmack bekannt sind (ist das so? Hat sich auf jeden Fall gut angehört, sie war glücklich mit der Aussage, und sie hat auch eine hübsche Wahl getroffen). Wir anderen wollten derweil uns um eine Kutsche kümmern, mit der wir zu dem Landsitz reisen wollen. Der Albernier hat zwar vorgeschlagen, dass wir uns Pferde leihen könnten, aber erstens denke ich nicht, dass jemand auf die Idee kommen könnte, solchen Leuten wie uns (abgesehen von Herr Klapperplatte) Pferde zu leihen, und zweitens waren meine bisherigen Reiterlebnisse alles andere als angenehm, weswegen ich das schlichtweg abgelehnt und eine Kutsche ins Spiel gebracht habe (ein Streitwagen wäre mir zwar lieber, weil schneller, gerüchteweise gibt es solche hier in der Gegend ja irgendwo, aber für uns war wohl gerade keiner verfügbar).

So haben wir uns also einen Verleih für edle Kutschen gesucht und eine Ordentliche ausgesucht. Spitzohr wollte aus irgendwelchen Gründen Polstersessel nur für uns Frauen, keine Ahnung wie er auf die Idee kam - vielleicht die Nähe zu den Tulamidenlanden? Liegt da irgendwas in der Luft? Jedenfalls habe ich darauf bestanden, dass für mich nur die Schnelligkeit zählt, woraufhin der Verleiher uns eine Entsprechende mit kräftigen Pferden angepriesen hat. Ach ja, den Kutscher haben wir übrigens auch gleich mitgemietet, und so wie es gerade rüttelt, scheint er meinen Wunsch, "möglichst schnell" anzukommen, wörtlich zu nehmen. Immerhin.

Während wir gewartet haben, hat der Albernier mich dann auch darauf angesprochen, ob ich seine Ohren komisch finde; ich habe geantwortet, dass ich die ganz normal finde, weil ich ja in Weiden schon einige Elfen gesehen habe - konnte ihm ja schlecht sagen, dass ich die ziemlich niedlich finde! Unsere Hexe hat dann noch darauf hingewiesen, dass in Punin auch einige leben - was stimmt, aber mit denen hatte ich damals nichts zu tun, du weißt ja... als ich dort war, hatte ich gerade anderes im Kopf...

Herr Klapperplatte hat derweil dem Mädchen das Halsband des Hundes abgeschwätzt. Offenbar hat er dabei auch erfahren, dass schon jemand anders dem Mädchen den Hund wegnehmen wollte, was aber anscheinend verhindert wurde? Jedenfalls haben wir den ominösen Schlüssel jetzt; hoffentlich ist es der Richtige?

Ich halte dich auf dem Laufenden!




Nachtrag: Der Albernier hat mir übrigens bei unserer kleinen Unterhaltung über seine Ohren davon berichtet, dass er mit Fischen sprechen kann (nachdem ich ihn gefragt habe, ob er magisch ist, so wie unsere Hexe). Als mich das weniger begeistert hat, hat er hinzugefügt, dass er auch mit anderen Wasserlebewesen sprechen kann, worauf ich von meinem kleinen Erlebnis mit einem Alligator erzählt habe, der ja damals einfach einen von meinen Begleitern verschluckt hat. Er war sich allerdings nicht sicher, ob er das so einem Monster ausreden könnte, aber er versicherte mir, es im Zweifelsfall zu versuchen. Kann ja in so einem Moment auch nicht schlimmer werden, von daher, warum nicht.

Und ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich mich bei dem Kutschenverleiher leicht verplappert habe, als ich meinte, dass wir nur drei Sitzplätze brauchen, weil "eine fliegt". Das hat ihn etwas verwundert, und auch ein rasches Wechseln des Themas hat ihn nicht beruhigt, sodass er kurz darauf wieder nachgefragt hat - ich habe ihm dann was davon erzählt, dass ich einen zahmen Raben habe, der eben fliegt. Hat er geschluckt. Wobei mir der Gedanke jetzt nicht mehr aus dem Kopf geht... vielleicht sollte ich mir wirklich mal einen Raben anschaffen? Geht das überhaupt, wenn man keine Hexe ist? Muss ich unsere Schöne der Nacht mal fragen. Oder nannte die sich anders? Muss ich mal nachlesen (dafür schreibe ich dir dies alles ja)!

Nachtrag zum Nachtrag (die Fahrt dauert einfach viel zu lange): Unsere Hexe hat nach meinem Bericht aufgrund meiner Beschreibung übrigens versucht, so einen Alligator zu zeichnen. Herausgekommen ist so eine Art Hund mit Schuppen und großem Maul... offensichtlich habe ich das Ding nicht gerade gut beschrieben. Muss ich bei Gelegenheit noch mal genauer drauf eingehen.


Liebes Reisetagebuch,

Wir sind jetzt wieder auf der Rückfahrt und haben die wichtigen Dokumente im Gepäck. Besser gesagt: Ich habe die wichtigen Dokumente im Gepäck! Es war, um es vorsichtig auszudrücken, eine interessante Erfahrung, auf diesem mittelreichischen Adelssitz zu Gast zu sein.

Aber der Reihe nach. Auf der Hinfahrt hatten wir besprochen, dass wir mit der Begründung, dass wir heute ja unser Ziel nicht mehr erreichen würden, auf dem Anwesen um Aufnahme für die Nacht bitten würden. Der Plan klang soweit ganz gut, nur haben wir es versäumt, dies dem Kutscher mitzuteilen, sodass dieser, kaum dass wir ausgestiegen waren, wieder kehrtgemacht hat und davongebraust ist! So standen wir also etwas blöd vor den Bewohnern des Landsitzes (alles ehemalige Diener der Verstorbenen), und ich musste mir schnell eine Geschichte ausdenken, was hier los ist. Also habe ich ganz überrascht getan und mich lauthals gewundert, dass wir hier abgesetzt wurden, obwohl wir doch nach Perricum wollten, und die Schuld für die ganze Sache damit auf den Kutscher geschoben (immer eine gute Idee, nicht-Anwesende zu beschuldigen). Spitzohr war die Sache jedenfalls offensichtlich zu riskant, zumindest hat er sich während des Gesprächs wohl in die Büsche geschlagen und ward den ganzen Abend nicht mehr gesehen (oder ist er in der Kutsche eingeschlafen, und wir haben ihn einfach vergessen?).

Jedenfalls haben die Bediensteten, alle schon etwas ältere Leute, mir die Sache abgekauft, und uns in das Anwesen eingeladen - zumindest nachdem wir uns vorgestellt haben, und insbesondere unser Herr Klapperplatte (der diesmal sogar mal seine Rüstung getragen hat!) auf seinen Adelsstatus hingewiesen hat. Wir wurden dann auch gleich in den luxuriösen Speisesaal geführt, wo wir den jüngsten Bewohner des Anwesens kennengelernt haben: Der attraktive Koch, der allerdings bestimmt schon mein Vater hätte sein können, vom Alter her. Jedenfalls hat er aus irgendwelchen Gründen auch gleich Interesse an mir gezeigt (naja, nachdem ich in seine Küche hineinspaziert bin), was aber wiederum der Frau des Gutsverwalters überhaupt nicht gefallen hat. Ich habe gleich gespürt, dass ich da in eine schwierige Situation hineingeraten bin, und mich daher den restlichen Abend sehr zurückgenommen. Allerdings wurde uns die ganze Zeit leckerer Wein ausgeschenkt, da war es schwer mit der Zurückhaltung. Und je betrunkener ich wurde, desto mehr habe ich getrunken, fürchte ich. Immerhin hat dies auch dazu geführt, dass Solivai und ich nach einer Weile eine Ausrede hatten, um den Speisesaal zu verlassen - wir mussten beide auf den Abort. Draußen haben wir uns versichert, dass die beiden Wachen gerade nicht zu sehen waren, und uns dann aufgeteilt - sie untersuchte den einen Flügel des Anwesens, ich den anderen. War nicht sehr interessant, ich habe nur leerstehende Zimmer gefunden. Viel spannender war dagegen die Zeitschrift, die auf dem Abort lag. Havener Fanfare, oder so? Jedenfalls stand da einiges, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte.

Wie auch immer, wenig später haben wir uns dann also wieder im Speisesaal getroffen, wobei Solivai mir erzählte, dass sie die bewohnten Zimmer gefunden hatte - aber nur diejenigen der Bediensteten. Wir nahmen uns vor, später noch das Obergeschoss zu durchsuchen. Zuerst schlossen wir uns aber wieder der Runde im Speisesaal an. Was dann geschah... nunja, wir haben wohl zuviel getrunken. Jedenfalls kann ich mich noch dunkel daran erinnern, dass ich wenig später Arm in Arm mit der Hexe traditionelles Liedgut angestimmt habe. Was, wenn ich so drüber nachdenke, eine wirklich üble Idee ist, Singen ist nun wirklich keins meiner Talente.

Nun ja, jedenfalls wurden wir dann irgendwann von irgendwem auf die Zimmer geführt, wo wir ziemlich schnell eingeschlafen sind. Und damit wäre unsere Mission dann wohl gescheitert gewesen, denn, wie ich erst gerade eben erfahren habe, unserer Adliger ist bei dem Versuch, sich von der Frau des Hausverwalters verführen zu lassen, kläglich gescheitert - sie hätte ihn wohl sogar fast von den Wachen hinauswerfen lassen. Aber das Schicksal hatte nicht mit meiner schwachen Blase gerechnet - jedenfalls bin ich mitten in der Nacht mit dröhnendem Schädel und einem irren Druck auf der Blase aufgewacht, habe mir schnell die Kerze entzündet (gar nicht so einfach im Halbdunkeln, wenn man noch betrunken ist und eigentlich ganz dringend auf den Abort muss), und bin dann nach unten gehuscht, wo ich die zwei Wachen beim Wachwechsel beobachtet habe, und dann den anderen Abort aufgesucht habe (den, den Solivai vorher benutzt hatte). Dort lag dann eine andere Zeitschrift, der Aventurische Bote. Auch sehr interessant, wobei dort einiges anders beschrieben war als in dem Havena-Blatt. Nunja, als ich dann wieder nach draußen kam, standen dort die Hexe und unserer Adliger in einer dunklen Ecke und haben diskutiert. Anscheinend hatte der Adlige nach seinem Debakel mitbekommen, dass ich meinen Raum verlassen habe, und war mir gefolgt, nur um dann unschlüssig in der Haupthalle herumzustehen. Und die Hexe wollte auch einfach nur auf den Abort. Nachdem sie das erledigt hatte, haben wir also beschlossen, uns im zweiten Flügel des Obergeschosses umzusehen (im ersten waren wir ja einquartiert worden).

Und damit kamen wir dann zum wirklich interessanten Teil der Nacht: Wir sind in die Räumlichkeiten der verstorbenen Adligen eingestiegen! Hmm, wenn ich das so schreibe, klingt das irgendwie respektlos, so BORon gegenüber oder so. Naja, ich halte es eh mehr mit TSA. Die Tür zu dem Flügel war leider verschlossen, und da unser Spitzohr mit dem großen Schlüsselbund ja leider nicht verfügbar war, mussten wir einen anderen Weg finden. In diesem Fall hieß das, dass ich über ein Fenster nach außen gestiegen, an der Fassade entlang geklettert und ein Fenster weiter wieder ins Gebäude gestiegen bin. Kein großes Ding, aber die Hexe und der Adlige haben mich angeschaut, als hätte ich gerade gezaubert. Glücklicherweise steckte der Schlüssel von innen, also konnte ich den beiden einfach aufschließen (und danach wieder abschließen - wobei ich den Schlüssel eingesteckt habe; wo ich das gerade schreibe... den Schlüssel habe ich ja immer noch. Huch.). Sie haben mir dann noch erzählt, dass sie gerade ein kleines Stelldichein zwischen dem Koch und der Frau des Gutsverwalters im Untergeschoss beobachtet hatten, die dann in Richtung der verlassenen Räume verschwunden sind. Wie sagen die Thorwaler bei sowas so treffend? "Fröhliches Vögeln wünsche ich"? (Oder waren das die Aves-Geweihten?)

Beim Durchsuchen der Räumlichkeiten haben wir uns aufgeteilt. Ich fand nach dem Arbeitszimmer die Bibliothek, in der wirklich viele edle Bücher standen! Und ich muss zugeben... ich habe mir ein paar eingesteckt. Nicht alle zum Verkaufen, eins will ich wirklich lesen und behalten! Es ist ein Reisebericht zu den Tulamidenlanden, in die ich beizeiten ja auch einmal reisen möchte. Naja, und einen prächtig verzierten Dolch habe ich auch mitgehen lassen. Zum Verkaufen, natürlich! Ich weiß, das klingt jetzt alles wirklich nicht gut, aber ich war die letzten Monde wirklich ziemlich abgebrannt, da kann es doch nicht schaden, jetzt ein wenig mehr Geld zur Verfügung zu haben? Und die Verstorbene braucht es nun wirklich nicht mehr.

Wie auch immer, Herr Klapperplatte ohne Klapperplatte hat derweil in einem anderen Zimmer hinter einem Gemälde einen Eisenschrank in der Wand gefunden (ich dachte erst, er würde das Gemälde klauen wollen!). Der Schrank ließ sich einfach mit dem Schlüssel, den der Adlige dem kleinen Mädchen abgeschwatzt hatte, öffnen, und ich habe, so schnell konnte der Adlige gar nicht schauen, mir sofort alles eingesteckt, was in dem Schrank lag.

Derweil hatte die Hexe irgendwie mitbekommen, dass die Frau mit den Stiefeln sich erst draußen durch das Unterholz geschlagen hat, und wenig später dann im Haus herumgekrochen ist. Irgendwie hat sie, also die Hexe, die Tür zu dem abgeschlossenen Flügel dann aber in eine grässliche Blutweinrebenhecke verwandelt (oder wie auch immer die Dinger heißen, die Menschen bei lebendigem Leibe das Blut aussaugen und es zu Wein verarbeiten; habe davon ja nur gehört, in Aranien war ich ja auch noch nicht - wobei es die dort mittlerweile auch nicht mehr geben soll? Ich möchte es jedenfalls nicht herausfinden). Die Frau ist dann geflüchtet, und wir haben uns schnell wieder in unsere Schlafgemächer verzogen. Ich wollte dann eigentlich die Augen offenhalten, aber BORon war wohl stärker, und so bin ich erst am nächsten Morgen aufgewacht, als mich die anderen geweckt haben. Zur Verwunderung der Gutsbediensteten sind wir dann sofort, als unsere Kutsche aufgetaucht ist, abgereist (ich sagte noch "Na, dem werde ich aber was erzählen!", und bin dann so schnell es ging nach draußen gerannt - ich hatte wirklich Angst, im letzten Moment mit dem Diebesgut ertappt zu werden).

Naja, Ende gut, alles gut, oder so. Jetzt sind wir also wieder auf dem Weg nach Beilunk, und werden dort wohl wirklich gut bezahlt werden. Hoffe ich. Dann muss ich die nächste Zeit auch nicht mehr herumliegende wertvolle Sachen einstecken, um mir etwas zu Essen kaufen zu können. Oh, und vielleicht reicht es ja sogar dazu, mir eine Expedition auszurüsten!

Ich halte dich auf dem Laufenden, liebes Reisetagebuch!


Deicherbe

Liebes Reisetagebuch,

Wieder hat TSA mich mit einigen komischen Gestalten zusammengeführt, und wieder sind wir kurz darauf auf einen alten Fluch gestoßen, den es zu brechen gilt! Glaube ich.

Jedenfalls wäre das endlich mal etwas Aufregendes nach der langweiligen Reise durch Andergast. "Elaria, Andergast ist wildes Grenzland, da lässt sich was entdecken!" - hah! Schön wär's gewesen. Aber ich schweife ab, das habe ich dir ja alles schon ausführlich erzählt. Jedenfalls ist das Spitzohr Ordhan weiterhin mein Reisegfährte - oh, da fällt mir ein, voll peinlich, das ist eigentlich erst später passiert, aber nachher vergesse ich es vielleicht, also schreibe ich es jetzt: Ich habe ihn doch heute tatsächlich komplett verwechselt! Ich reise jetzt schon so lange mit ihm herum, dass ich davon ausgegangen bin, dass er bei der Sache mit den Hexen auch mit dabei war. War er aber gar nicht! Und ich habe ihn drauf angesprochen. Er war natürlich etwas verwirrt, kein Wunder. Glücklicherweise gab es kurz darauf auch schon wieder eine Ablenkung, da ist mein rotes Gesicht bestimmt nicht so aufgefallen.

Tja, aber jetzt wirklich mal der Reihe nach: Spitzohr und ich reisen also durch den nostrischen Wald und hören auf einmal so hübsches Harfenspiel. Ich dachte schon, dass das bestimmt eine Fee sein muss! Also gleich in die Richtung gelaufen. War aber leider nur so ein komischer Nostrier, der da im Wald gehockt hat und mit seinem Harfenspiel alle in der Umgebung angelockt hat - denn gleichzeitig mit uns kamen da auch noch ein paar andere Gestalten aus dem Unterholz gekrochen. Wir haben uns natürlich alle gleich vorgestellt und ein gemeinsames Lager aufgeschlagen, schließlich gibt es nichts vertrauenswürdigeres als abgerissene Fremde, die mitten in der Nacht in der Wildnis herumkriechen.

Nein, natürlich nur ein Scherz, das sind alles nette, gutgekleidete Leute. Na, bis auf den Holzfäller vielleicht, aber der ist auch nett. Ein wenig komisch allerdings auch, hat er doch extra Kettenrüstung mit dabei, um sich beim Holzfällen zu schützen. Also, ich bin ja nicht so wirklich der Experte im Baumfällen - aber wenn man sich mit Kette vor der eigenen Axt schützen muss, macht man doch etwas falsch, oder nicht? Jedenfalls hieß der Holzfäller Waldbert - ein passender Name, finde ich. Er wollte uns auch gleich mal einen Baum fällen für das Lagerfeuer. Fand ich ein wenig übertrieben, Fallholz hat ja auch gereicht.

Wer ist da noch? Ah, ja, die zwei Spitzohren (Ordhan kannte die aber nicht, sind keine Verwandten von ihm, meinte er). Eine davon, Lana mit Namen, ist recht seltsam (also, noch seltsamer als Spitzohren für gewöhnlich sowieso sind), die redet dauernd vor sich hin, trägt eine halbe Waffenkammer mit sich herum und traut uns anderen offensichtlich nicht genug, um sich nachts schlafen zu legen. Sie schien den nächsten Tag aber gar nicht müde, also muss sie ja doch geschlafen haben. Oder vielleicht hat sie irgendeine komische Wurzel gekaut, kann man ja nie wissen.

Das andere Spitzohr hingegen ist schweigsam. Erinnere mich gerade auch gar nicht an den Namen, hat sie den überhaupt genannt? Jedenfalls scheint sie nicht gefährlich zu sein, ist immer hinterhergeschlichen und hat sich mit großen Augen umgeschaut.

Oh, der Harfenspieler hat sich aber auf jeden Fall vorgestellt: Ensindio heißt er. Klingt horasisch.

Tja, das war der letzte Abend. In der Nacht haben die anderen einen Wolfsangriff zurückgeschlagen, haben sie am nächsten Morgen erzählt. Kann nicht sehr gefährlich gewesen sein, ich bin ja nicht einmal aufgewacht.

Am nächsten Tag sind wir dann alle gemeinsam Richtung Nostria weitergereist. Ist doch schon schön, mal wieder mit einer größeren Gruppe unterwegs zu sein, auch wenn mir alle die Geschichte mit dem Krokodil nicht glauben wollen. Oh, da fällt mir ein: Das plaudernde Spitzohr wollte auch dauernd alles essen, was ihr unter die Nase gekommen ist, so hat sie zum Beispiel bei meiner Geschichte sofort gefragt, ob man das Krokodil essen kann (leider kann ich ihr ja berichten, dass die recht zäh sind - auch eine Erfahrung, auf die ich gut verzichten könnte).

Am Vormittag haben wir dann die Hilferufe eines kleinen Jungens gehört. Es stellte sich heraus, dass er in einem See feststeckte und am Ertrinken war. Ich habe natürlich sofort alles von mir geworfen und bin reingesprungen, um ihn zu retten - aber das Wasser war so scheiß-kalt! Ich bin fast selbst ertrunken und habe mich gerade so wieder ans Ufer gerettet, bei TSA! Zum Glück waren die anderen erfolgreicher, und so saß der Junge kurz darauf bei uns mit am Lagerfeuer (ich wieder angezogen, da meine Kleidung ja trockengeblieben war - andere in Unterwäsche, da sie es für sinnvoll hielten, mit Kleidung schwimmen zu gehen?).

Sobald die Kleidung wieder trocken war, haben wir den Jungen zum Hof seiner Eltern gebracht, wo wir sehr freundlich von seinem Vater empfangen wurden. Er hat uns auch gleich eingeladen, die Nacht hier zu verbringen, was wir natürlich gerne angenommen haben. Im Gespräch hat er uns dann ein wenig von seinen Sorgen erzählt (was man halt so macht, wenn ein Haufen Fremde auf den Hof getrampelt kommen): Er hat fünf Kinder, ist ein Vertriebener aus dem Grenzgebiet zwischen Nostria und Andergast, hat diesen verlassenen Hof übernommen, und jetzt das Problem, dass die Nachbarn ihn ohne so eine Seeschlangenzahn-Deichgabel nicht als rechtmäßigen Besitzer anerkennen. Obendrein soll der Hof auch noch verflucht sein, und der Deich in der Nähe müsste auch mal repariert werden. Plötzlich hieß es dann auch, dass wir als Gegenleistung für das Essen und die Übernachtung ihm bei diesen Dingen helfen sollten - ich habe da mal lieber ein paar Silbertaler gezückt und ihm auf den Tisch gelegt, Deichbau ist nun wirklich nicht meine Spezialität. Außerdem, soweit ich das einschätzen kann sollte so ein Seeschlagenzahn doch viel mehr wert sein als der gesamte Hof? Also vielleicht sollte er, wenn wir ihm diese Gabel finden, einfach das Ding versilbern und mit seiner Familie woanders hinziehen? Vorzugsweise auf einen nicht-verfluchten Hof mit netteren Nachbarn?

Naja, seine Entscheidung. Ich jedenfalls bin mal gespannt, was morgen so passiert. Die anderen sind ja anscheinend hoch motiviert, schließlich hat der Kerl ihnen ein paar Silber aus seinen Ersparnissen als Lohn versprochen (da frage ich mich, wieso er so erstaunt reagiert hat, als ich ihm das Silber in die Hand gedrückt habe? Wenn er doch anscheinend genug unter dem Nachttopf liegen hat, um damit einen Haufen Fremde für ein wenig Arbeit zu bezahlen?).

Zusatz: Ganz vergessen zu erwähnen, dass das redselige Spitzohr beim Lagern einen Haufen Fische aus dem nahen Bach angeschleppt hat. Ich hatte das Gefühl, dass im Bach jetzt nicht mehr viel lebt, und habe Ordhan mein Mitgefühl ausgesprochen. Er versicherte mir aber, dass das keine Bekannten von ihm waren.



Liebes Reisetagebuch,

Es ist viel passiert seit meinem letzten Eintrag! Wir haben jetzt eine Spur zum Seeschlangenzahn-Deichgabel-Ding, das aber anscheinend leider verflucht ist und außerdem auch noch von irgendeinem dunklen Kult gesucht wird, bei TSA!

Ich weiß auch noch gar nicht, ob wir das den anderen so erzählen sollen. Also, wir, das sind Ordhan und ich, die wir das herausgefunden haben. Also, eigentlich hat er es herausgefunden und mir erzählt.

Aber der Reihe nach. Die Nacht war für mich sehr erholsam, da ich ja dem Bauern ein wenig Silber hingelegt hatte, durfte ich im Bett mit seinen Kindern schlafen. Moment, das klingt jetzt nicht richtig. Ganz und gar nicht richtig. Verdammt, warum trocknet diese Tinte so schnell?

Wie auch immer, du weißt bestimmt, was gemeint ist. Statt mir hat die älteste Tochter dann eben drüben in der Scheune mit... bei den anderen geschlafen. Und wie mir Ordhan später berichtet hat, hatten sie in der Nacht erneut Besuch von Wölfen - die aber diesmal bissiger waren. Ob es die gleichen wie letzte Nacht waren? Scheint hier jedenfalls eine richtige Plage zu sein. Unser Harfenspieler wurde anscheinend sogar gebissen. Und als sie, also die Wölfe, sich zurückgezogen haben, wäre das eine Spitzohr fast noch in die Nacht hinterhergerannt, weil sie unbedingt einen davon essen wollte. Hat mir Ordhan zumindest erzählt. Vielleicht sollte ich diese Frau in Zukunft "die Blutrünstige" nennen?

Jedenfalls haben wir morgens dann gemütlich mit der Familie gefrühstückt und besprochen, wie wir vorgehen sollen. Eins der Kinder hat darauf erwähnt, dass es da ja noch diese Luke in den Keller gibt, die niemand öffnen kann - weswegen niemand weiß, was sich dort unten befindet. Schien mir ein wenig seltsam, erst jetzt, wo wir bereits einen halben Tag praktisch direkt neben dieser Luke verbracht hatten, darauf hinzuweisen, aber gut. Ich konnte dann jedenfalls beobachten, wie meine Reisegefährten sich in einem großen Pulk an dieser Falltür zu schaffen gemacht haben, die anscheinend irgendwie von unten verriegelt war. Letztendlich haben sie das Ding aufgebrochen, sogar ohne die Hilfe des Holzfällers (der sich anscheinend beim Latrinesuchen verlaufen hatte?), und heraus kam zuerst einmal ein fürchterlicher Gestank, woraufhin sich die Spitzohren erst einmal verabschiedet haben. Tja, ne feine Nase zu haben ist halt nicht immer von Vorteil? Aber ich habe gut Lachen jetzt, mir wurde auch ein wenig übel. Nichtsdestotrotz bin ich nach Ordhan da runter gestiegen und habe mich umgesehen. Noch bevor wie richtig Inventar aufgenommen hatten, war das blutrünstige Spitzohr wieder da und hat aus dem stinkenden Wasserfass begeistert eine Leiche herausgezogen und nach oben geschleift. Mir ist noch ein wenig übler geworden, also bin ich erst einmal unten geblieben und habe mich genauer umgeschaut. Da lag ein Haufen alter Krempel herum, es hat eine ganze Weile gedauert, das zu durchwühlen. Aber es hat sich gelohnt! Ich habe ein paar alte Pergamente gefunden, auf der so Ritualzeug stand. Wenn ich die noch habe, lege ich sie dir zu diesem Text dazu. Mal nachschauen... ja, die sind jetzt trocken. Gut, dann bekommst du die reingelegt. Jedenfalls steht dort, dass es einen Fluch gibt, der dazu führt, dass man nur noch Wasser atmen kann. Und irgendwas mit einem Artefakt, womit wohl das Seeschlangending gemeint sein dürfte, nehme ich an.

Jedenfalls kam mir da der Gedanke, dass der Kerl in dem Fass sich vielleicht selbst im Keller eingeschlossen hat, um in dem Fass zu leben, nachdem ihn der Fluch getroffen hat. Warum er dann trotzdem ertrunken ist, war mir aber nicht klar. Ordhan meinte später, dass Fische in einem zu kleinen Wasserbehälter, der sich nicht bewegt, ebenfalls ertrinken. Ertrinkende Fische? Sachen gibt's...

Ich war noch am Lesen, als Ordhan mich aus dem Keller gezogen hat. Er meinte, dass sie die Leiche inzwischen beerdigt haben, und dass vorher noch eine Nachbarin da war, um ihn als den Vorbesitzer des Hofes zu identifizieren. Außerdem hätte der Kerl Kiemen gehabt - was ja zu dem Fluch passen würde. Mittlerweile war es auch schon Nachmittag - ich hatte wohl wirklich lange im Keller verbracht - und wir bekamen Hunger. Also sind die Fischmörder wieder auf zum Meer, um auch dieses noch leerzufischen. Ordhan wollte auch unbedingt ans Meer, also habe ich ihn begleitet. Achso, stimmt, er wollte ans Meer, weil ich ihn gefragt hatte, ob er mal seine Fischfreunde fragen kann, ob sie wissen, wo dieser Seeschlangendings... ach, nenne ich es einfach "die Gabel"... liegt. Das hat er dann auch gemacht, nachdem die anderen ihre Netze eingezogen und die gefangenen 50 Stein Fisch wieder Richtung Hof geschleppt hatten. Die Überlebenden dieses Massakers haben Ordhan dann ganz verstört berichtet, dass diese Gabel wirklich in der Nähe im Matsch liegt, aber nur bei Ebbe zugänglich ist für Menschen. Leider wussten sie auch zu berichten, was ich schon oben geschrieben hatte: Auf der Gabel liegt ein Fluch (klingt so geschrieben ziemlich bescheuert, oder?), und irgendwelche Kultisten wollen das Ding auch haben. Die Vermutung, dass der Fluch dieses Wasseratmen ist, liegt nahe. Meine erste Idee, das Ding einfach weiter ins Meer zu werfen, hat bei Ordhan nicht allzu große Begeisterung ausgelöst, also habe ich vorgeschlagen, dass wir ja eine Hexe suchen könnten, die uns hilft? Schien er schon besser zu finden.

Ach, habe ich schon erwähnt, dass es recht witzig aussah, wie er da im Wasser mit den Fischen geblubbert hat? Und wo wir gerade von witzig sprechen: Er hat mir nach dem Gespräch am Meer auch noch gezeigt, warum er immer Socken und Handschuhe trägt: Er hat Schwimmhäute! Wie ein Fischmensch! Faszinierend. Und irgendwie auch niedlich (ich glaube aber nicht, dass er es gerne hätte, wenn ich ihn in Zukunft "kleinen Fisch" nennen würde). Jedenfalls hat er wohl schlimme Erfahrungen mit Leuten gemacht, die TSA eher nicht so zugeneigt sind, und alles Andersartige ablehnen (müssen sehr traurige Gestalten sein, denke ich mir immer - wo ist denn der Sinn im Leben, wenn man nichts Neues mehr kennenlernt? Einfach nur tagein, tagaus das Gleiche machen, die gleichen Leute sehen... bah, schrecklicher Gedanke. Ich könnte das nicht), weswegen er die Schwimmhäute immer verbirgt. Ach, und er hat mir auch erzählt, dass er seine Mutter... oder war es seinen Vater? Mist, hab's schon wieder vergessen! Wenn ich sowas nicht immer gleich aufschreibe! Jedenfalls kennt er eins seiner Elternteile gar nicht. Wobei, wenn er den anderen kennt, müsste er denjenigen doch fragen können, was mit dem anderen ist? Ich glaube, ich muss ihn dazu noch einmal fragen. Vorsichtig, schließlich fände er es bestimmt nicht witzig, wenn ich ihm sagen würde, dass ich diese Geschichte, die er bestimmt nicht jedem auf die Nase bindet, schon wieder vollkommen durcheinander werfe. Bei TSA, ich sollte manchmal wirklich besser aufpassen.

Jedenfalls sind wir dann wieder zurück zum Hof, wo mittlerweile ein ganzer Haufen Nachbarn herumstand, anscheinend wollten die den Besitzer zum Essen besuchen oder so. Fand ich etwas seltsam, denn hatte der Kerl nicht gesagt, dass die Nachbarn nicht gut auf ihn zu sprechen waren? Egal. Jedenfalls habe ich den nächstbesten, der mir Ahnung zu haben schien, direkt mal angesprochen, ob er mir sagen kann, wo es hier Hexen gibt. Auf die Frage, was ich denn von den Hexen wollte, denn die haben schließlich "richtig Ahnung", antwortete ich das einzig Passende: Nämlich dass wir eben jemanden mit "richtig Ahnung" suchen. Wusste er nix zu erwidern und hat mir etwas von einer Hexe im nahen Moor erzählt. Ordhan hat sich bestimmt gemerkt, wie die hieß und wo wir da hinmüssen.

Gerade eben haben wir dann auch endlich gegessen. Mal sehen, ob wir heute noch aufbrechen. Ach... und ich habe immer noch nicht entschieden, ob ich den anderen davon erzähle, dass wir wissen, wo "die Gabel" ist (hoffentlich lunzt hier keiner, während ich das schreibe, das wäre peinlich zu erklären; aber der Harfenspieler spielt ja gerade so schön, die sind bestimmt abgelenkt).

Es bleibt jedenfalls spannend. Ich halte dich auf dem Laufenden!



Kurzer Nachtrag:

Ordhan hat mir die Entscheidung abgenommen und dem einen Spitzohr - nicht die Blutrünstige, sondern die andere, eine Geweihte, anscheinend? - von der Gabel erzählt. Und zwar hat er sie nach dem Essen zu einem Spaziergang eingeladen (ich bin mitgekommen, was unter den größeren Kindern sofort Spekulationen ausgelöst hat, was der Mann mit den beiden Frauen wohl alleine besprechen will - ganz ehrlich, ich wäre in dem Alter noch nicht auf solche Gedanken gekommen?!) und sie versucht zu überreden, dass sie den anderen von einer Vision erzählt, in der die Gabel in der Nähe im Schlick liegt - weil ihm würde man das ja nicht so glauben, oder so - ganz ehrlich, ich habe es nicht ganz verstanden. Er wollte wohl nicht erwähnen, dass ihm die Fische das erzählt haben.

Naja, jedenfalls hat das Spitzohr abgelehnt, weil sie sich an die Gebote aller Zwölfgötter halten möchte, und daher nicht lügen wird. Was aber phexgefällig wäre? Habe ich ihr auch so gesagt, das hat sie wohl etwas aus dem Konzept gebracht. Das mit den Geboten aller Zwölf gleichzeitig befolgen stelle ich mir auch etwas schwierig vor - ich denke da an RONdra und TSA? Oder BORon und TSA? Naja, jedenfalls haben wir uns dann drauf geeinigt, rasch die Gabel zu holen, nachdem Ordhan uns offenbart hat, dass die ganz in der Nähe im Matsch steckt, und uns später Gedanken drüber zu machen, wie und ob wir den anderen das sagen.

Als wir das Ding kurz darauf gefunden hatten, stellte sich uns das Problem, dass da ja wohl ein Fluch drauf liegt. Ordhan hat sich dann geopfert, sich vom Spitzohr den Mantel ausgeliehen und die Gabel vorsichtig aus dem Watt gezogen und eingewickelt. Ich habe ihm versichert, wenn ihm dann bald Kiemen wachsen, werde ich dafür sorgen, dass er immer gut mit Wasser versorgt ist. Ich weiß noch nicht so ganz, wie ich das machen soll, wenn wir zur Hexe reisen (die anscheinend im Landesinneren lebt), weil das mit dem Wasserfass hat für den Deichbauern ja nicht so gut funktioniert, aber das wird sich schon finden. Das Spitzohr meinte dann noch, dass ihm dann ja vielleicht auch Schwimmhäute wachsen, woraufhin Ordhan es eilig hatte, zum Hof zurückzukehren. Ich habe mir eins gelacht - wenn sie wüsste!

Also sind wir zurück zum Hof, und wieder hat Ordhan die Initiative übernommen, den Bauern die Kinder rausscheuchen lassen und ihm (sowie dem Harfenspieler) die Gabel präsentiert. Ich habe die anderen schnell davor gewarnt, das Ding nicht anzufassen, und wir haben dem Bauern (und dem Klimperer) dann die ganze Geschichte, die wir uns so zusammengereimt haben, erzählt. Das Problem ist jetzt nur, dass wir etwas ratlos sind, wie es weitergehen soll. Der Kerl würde die Gabel gerne den Nachbarn präsentieren, damit sie ihm nicht die Bude abfackeln (sehr unhöfliche Leute, finde ich), aber andererseits sollte er (und andere) sie aber auch nicht anfassen, bis der Fluch gebrochen ist. Zudem können wir die Familie auch nicht einfach mit zur Hexe nehmen, weil da anscheinend rasch ein Deich repariert werden muss (und außerdem könnten die Nachbarn derweil auch einfach so den Hof abfackeln). Wir sind da gerade etwas ratlos.

Ich schreibe dir, falls uns eine Idee kommt (oder der Hof abgefackelt wurde).



Liebes Reisetagebuch,

Es ging dann doch einfacher und schneller als gedacht, wir sind mittlerweile sogar in... wie hieß dieses Dörfchen? Trondweiler? Na, ist wohl nicht so wichtig. Jedenfalls sind wir jetzt schon drauf und dran, die Hexe zu finden, diese Karlitta von Lyckweiden (bist du nicht stolz auf mich? Ich habe mir einen Namen gemerkt! Gleich beim ersten Mal! Ja, ok, ich hatte mir's aufgeschrieben... aber dennoch!).

Vor der Abreise vom Deichbauerhof mussten wir allerdings, wie schon erwähnt, erst mal ein paar Probleme lösen. Das erste war die Deichreparatur, zur der sich die anderen alle verpflichtet hatten (du erinnerst dich? Ich hatte mich davon freigekauft, weil ich die Übernachtung einfach bezahlt habe! Tja, lohnt sich halt doch, nicht immer zu versuchen, alles umsonst zu bekommen). Ich bin trotzdem mit den anderen zum Deich gelaufen und habe zugeschaut, wie das so geht (Verantwortung tragen und andere beim Arbeiten beaufsichtigen liegt mir als Expeditionsleiterin natürlich fast schon im Blut!). Sah wirklich nach harter Arbeit aus, was die da so gemacht haben: Pflöcke in den Boden rammen, Blümchen ausgraben und woanders wieder eingraben. Bin wirklich froh, dass ich da nicht mitgemacht habe! Zudem sah es auch noch ziemlich sinnlos aus, aber das habe ich natürlich nicht laut gesagt. Außerdem weiß so jemand, der hier arbeitet, wahrscheinlich besser als ich, was da zu tun ist. Wobei... hatte der nicht erzählt, dass er neu hier ist? Das war doch die ganze Sache, dass er und seine Familie irgendwo geflohen waren. Also vielleicht wusste er doch nicht, was zu tun ist, und der Deich bricht bei der nächsten Sturmflut? Hmm, naja, irgendwie auch sein Problem, und nicht meins. So leid es mir tut.

Nach so mehr oder weniger harter Arbeit hatten natürlich alle Hunger, und so haben ein paar der anderen mal wieder das Meer leergefischt, während ich mir einen Hasen gejagt habe. Das arme Tier, hat es überhaupt nicht kommen sehen! Tun mir ja immer leid, diese kleinen Hoppler, wie sie so ängstlich gucken. Aber irgendetwas muss ich halt auch essen, und das Gras schmeckt mir eben nicht!

Jedenfalls, als das erledigt war, wollte der Deichbauer auch noch den Nachbarn seine Gabel zeigen, weil die ihn danach, da er ja auch den Deich repariert hat, in Ruhe lassen würden (und ihm nicht die Hütte abfackeln). Wir sind also in so eine Art Gasthaus in der Nähe gepilgert, in der die örtlichen Bauern sich zum Alkoholtesten treffen. Ordhan ist sofort an den Tresen marschiert und hat sich eins hinter die Binde gegossen, während ich den Bauern dabei unterstützt habe, den Nachbarn die Gabel zu zeigen (klingt immer noch doof). Was dann passiert ist... tja, es ging irgendwie alles so schnell. Einerseits hat Ordhan das blutrünstige Spitzohr dazu überredet, auch mal das lokale Gesöffs zu probieren (die Elfe war danach sofort sturzbetrunken), und andererseits hat so ein dummer Junge trotz meiner Warnung die verfluchte Gabel angefasst und sich prompt geschnitten. Ich habe daraufhin versucht, ihm den Schnitt zu verbinden, war aber so aufgeregt, dass ich ihm fast den Finger abgeschnürt hätte (irgendjemand hat das glücklicherweise noch korrigiert). Jedenfalls ist es mir mit einem meiner Wortwasserfälle gelungen, den Vater des Jungen davon zu überzeugen, dass der Schnitt gefährlich sein könnte, weil die Gabel ja so lange im Schlick gelegen hat, und wir den Jungen am Besten mit zu einer Hexe nehmen und untersuchen lassen sollten.

Daraufhin hatte ich alle Mühe, den Deichbauern samt Gabel, den kleinen verwirrten Jungen, sowie den betrunkenen Ordhan und die sturzbesoffene Elfe wieder sicher zum Hof zu bringen. Zum Glück ist auf meinen Orientierungssinn Verlass! Naja, und der Deichbauer hätte wahrscheinilch auch ohne mich nach Hause gefunden, aber das brauche ich ja niemandem auf die Nase zu binden.

Wieder am Hofe angekommen, hat sich der kleine Junge schon über Atemprobleme beschwert, und Ordhan daraufhin bei ihm schon kleine Kiemenansätze gefunden. Ich habe uns schnell ein Wasserfass (aber nicht das mit der Leiche!) besorgt, und während wir am Überlegen waren, wie wir das Fass am Besten zur Hexe transportieren, hat uns der Deichbauer vorgeschlagen, dass wir den eingefassten Jungen ja auch einfach auf dem Hof lassen könnten, er würde sich schon gut um ihn kümmern, und wir wären viel schneller bei der Hexe, um den Fluch brechen zu lassen. Hat uns eingeleuchtet. Warum ist eigentlich niemand von uns darauf gekommen?

Wir sind dann also noch am gleichen Tag aufgebrochen, die Sache eilt ja offensichtlich. Der restliche Tag war ereignislos, und nachts habe ich sogar mal Wache gehalten! Habe mich dabei irgendwie sicherer gefühlt, nachdem Ordhan und die Elfe noch nicht wieder ausgenüchtert waren.

Nächsten Morgen ist uns dann Feuerschein in der Ferne aufgefallen. Der Straße folgend haben wir kurz darauf einen noch kokelnden Deichbauernhof vorgefunden, während auf dem Meer ein paar Schiffe am Horizont verschwunden sind (haben mir die anderen erzählt, ich habe doch nicht auf das Meer geachtet, wenn da gerade etwas brennt!). Das waren anscheinend Thorwaler, haben uns kurz darauf auch die Überlebenden erzählt, und diese Thorwaler haben diesen armen Menschen ihre paar Habseligkeiten geklaut, und aus reiner Lust an der Zerstörung obendrein auch noch die Hütten angezündet (Barbaren!). Wir haben dann erst mal die Menschen versorgt (ich habe kurz darüber nachgedacht, beim Verbinden der Verwundeten zu helfen, aber die klaffenden Wunden einerseits und der blaue, halbabgebundene Finger von dem kleinen Jungen gestern andererseits haben mich davon überzeugt, dass dies meine Fähigkeiten deutlich übersteigt). Stattdessen habe ich mit für's Frühstück gesorgt, indem ich erneut einen Hasen gejagt habe (der diesmal, meinem Gefühl nach, noch ängstlicher geschaut hat... hoffentlich war das keine Mutter, die gerade ihre Kinder irgendwo versteckt hatte! Oh TSA, warum mache ich mir nur immer solche Gedanken? Jetzt kann ich heute nacht doch wieder nicht schlafen, beim Gedanken an so arme, kleine, süße Hasenkinder, die irgendwo ganz alleine und verängstigt im Gras hocken!).

Gut, kurz durchatmen, weiter geht es. Die anderen haben derweil mal wieder das nahe Meer leergefischt, und so hatten die Überlebenden wenigstens ein gutes Frühstück. Sie haben uns dann noch gebeten, so einem Adelsschnösel in der nahen Stadt (Trontwein?), in die wir auch wollten, Bescheid zu geben, dass die Thorwaler ihm in seinem Bereich auf der Nase herumtanzen. Das habe ich natürlich sofort zugesagt, obwohl ich - wie sich herausgestellt hat, zurecht! - meine Zweifel hatte, ob ich mit so einem Barbaren-Adelsschnösel so gut zurechtkommen werde.

Da wir es eilig hatten, sind wir dann auch schon bald weitergereist. Oh, bevor ich von der Stadt (Trontsein?) erzähle - mir fällt gerade ein, dass unserer Klimperer diesen Morgen versucht hat, die Überlebenden des Überfalls mit seiner Musik zu unterhalten - das ist aber absolut daneben gegangen, ich habe noch nie so ein grässliches Lied gehört. Die Deichleute waren auch nicht wirklich begeistert, haben sich aber aus Dankbarkeit wenigstens zu einem Lächeln gezwungen. Wie gut, dass meine Vermutung, seine Musik könnte so schön sein, weil ihr Magie innewohnt, offensichtlich nicht richtig ist - denn mit diesem grässlichen Lied hätte er uns ansonsten wahrscheinlich alle umgebracht!

Tja. Die weitere Reise zur Stadt (Trontschein?) verlief dann jedenfalls recht schweigsam. Dort angekommen, haben wir uns erst einmal eine Herberge gesucht, Küstenblick heißt sie, und man hat tatsächlich einen Küstenblick hier. Recht schön sogar - wenn nur dieser Gastwirt nicht wäre! Der hat sofort diesen schmierig-lüsternen Blick bekommen, als er uns Frauen gesehen hat, und uns gleich als erstes angeboten, dass er uns ein Bad einlassen könnte. Habe ich natürlich sofort mit dem Argument abgelehnt, dass ich sauber genug bin. Und meine Tür werde ich heute nacht auch verbarrikadieren. Das Fenster auch. Wobei... wenn er durch die Tür bricht, und ich das Fenster nicht aufbekomme, wäre das schlecht. Andererseits schlafen wir Frauen ja in einem Raum - wenn der durch die Tür kommen würde, würde die blutrünstige Elfe ihn wahrscheinlich gleich versuchen zu essen.

Hmm, wo war ich? Ach ja, wir waren angekommen, haben die Räume bezahlt, und uns dann getrennt: Klimperer und ich sind zum lokalen Barbaren-Adelskerl, die schweigsame Zwölfgötter-Elfe zum örtlichen Boron-Geweihten (wegen der Frage der Grabsegnung für den verstorbenen Deichbauern - also der, den die Elfe aus dem Fass gezogen hat), und Ordhan wollte sich nach der Hexe umhören. Wo ich gerade von der esswütigen Elfe erzähle - wo ist die eigentlich hingegangen? Habe ich nicht mitbekommen. Nun ja, wird sie mir wahrscheinlich nachher sagen, wenn sie davon erzählt, was sie wieder alles in sich hineingestopft hat (muss sie mal fragen, ob sie schon Ratten gekostet hat...).

Eine Audienz bei dem Barbaren-Adligen zu bekommen war nicht so einfach wie gedacht, aber am gleichen Tag noch möglich, und damit weit einfacher, als es bei echten Adligen der Fall wäre. Aber dieser Kerl... uch, ich sage dir, ich bin wirklich noch nie jemandem begegnet, dessen ganze Art bei mir einfach nur den Gedanken an die nächste Fluchtmöglichkeit ausgelöst hat. Ich wollte ihn ja eigentlich auch nach der Hexe fragen, aber nachdem wir ihm mitgeteilt hatten, dass da so ein paar Thorwaler einen Deichbauernhof in seinem Bereich abgefackelt haben, wollte ich einfach nur noch so schnell wie möglich den Raum verlassen. Ich kann dir auch gar nicht so richtig beschreiben, was mit ihm nicht gestimmt hat... es war einfach schrecklich. Die ganze Zeit hat er aus keinem ersichtlichen Grund angefangen, herumzubrüllen, dass ich dachte, ihm platzt gleich der Kopf. Zum Glück hat unserer Klimperer die meiste Zeit mit ihm geredet, und ich nur unwohl danebengehockt.

Jedenfalls war auch dies irgendwann zuende, und wir sind zum Gasthof zurückgekehrt, wo ich dir jetzt gerade dieses schreibe. Ich wünschte, ich könnte jetzt ein entspannendes Bad nehmen...

Tief durchatmen, Elaria. Irgendwann verschlägt es mich bestimmt auch mal wieder in zivilisierte Gegenden. Außerdem habe ich es mir doch so gewünscht, die Welt zu sehen? Also sollte ich mich nicht so beschweren. Geht alles vorbei.

Ich halte dich auf dem Laufenden!




Liebes Reisetagebuch,

Die Sache ist ausgestanden, der Fluch gebrochen - jedenfalls so-gut-wie - und der Neudeichbauer samt Familie sicher. Was für ein Fluch das war, und warum irgendwelche Kapuzenkultisten das Ding haben wollten (hat mir zumindest Ordhan erzählt, dass ihm das die Fische erzählt hatten - wie glaubhaft das natürlich ist, steht auf einem anderen Blatt, vielleicht gibt es ja auch unter Fischen Aufschneider, die nur ein wenig Aufmerksamkeit wollen?) - keine Ahnung. Aber irgendwie bin ich auch froh, dass die Sache vorbei ist, Nostria gefällt mir nicht. Die Leute hier sind eine eigenartige Mischung aus hinterwäldlerisch-beschränkt und arrogant-abweisend. Also, nicht alle, natürlich, aber zuviele. Bin auch noch gar nicht sicher, in welche Richtung ich weiterreisen soll, muss ich mal mit Ordhan beraten. Wahrscheinlich würde ich sogar eine Einladung auf eine Expedition ins Güldenland annehmen, um dieser Gegend hier zu entfliehen.

Aber der Reihe nach, wo war ich oben stehen geblieben? Ah, das Gasthaus in Trontwein. Wir haben uns dann also... ja, das war mittlerweile wohl vor einer Woche! Habe gar nicht die Zeit gefunden, dir zu schreiben - tut mir sehr leid! Jedenfalls haben wir vor einer Woche im Gasthaus uns also zusammengesetzt und unsere Erkenntnisse geteilt. Eire hat einen Boronkerl auftreiben können, der das Grab segnen wollte, wir hatten unsere... Begegnung mit dem Adelsschnösel, und Ordhan hat derweil auf dem Markt die wichtige Arbeit erledigt und den Weg zur Hexe erfragt.

Sind wir dann noch direkt am gleichen Tag aufgebrochen? Weiß ich gar nicht mehr, schon so lange her! Jedenfalls waren wir dann bald im Sumpf, wo Ordhan uns gezeigt hat, wie man sich dort sicher fortbewegt - er hat wohl schon einige Zeit in solchen Gegenden verbracht. Hätte ich ihn früher gekannt, hätte ich ihn mit auf meine Expedition in den Dschungel nehmen können! Obwohl, dann wäre er vielleicht von dem Krokodil gefressen worden, das wäre ja schade gewesen. Jedenfalls habe ich mich immer schön hinter ihm gehalten, denn offensichtlich wusste er, was er tat. Übernachtet haben wir dann auch noch im Sumpf, aber nicht irgendwo im Matsch, sondern bei so einer netten Köhlerfamilie, die sogar eigentlich überhaupt nix für ihre Gastfreundschaft verlangt haben! Ich habe ihnen natürlich trotzdem etwas Geld zugesteckt, bei TRAvia!

Nächsten Tag sind wir dann weiter, auch nach der Wegbeschreibung der Köhler, die auch wussten, wo die Hexe wohnt, und haben dann auch tatsächlich die Hütte der Hexe gefunden. Die Hütte war in einer äußerst hübschen, gepflegten Umgebung an einem netten See - sah mitten im Sumpf fast so aus, als hätte die Hexe auf magische Weise nachgeholfen, die Umgebung weniger trostlos zu machen. Oder vielleicht hat sie auch nur sich ein hübsches Örtchen für ihre Hütte gesucht. Wie auch immer, zuerst wurden wir nur von einem dicken Kater mit einem abfälligen Blick begrüßt, aber als wir uns dann der Hütte weiter näherten, erwartete uns die Hexe natürlich schon. Das Gespräch mit ihr war... eigenartig. Sie schien irgendwie die ganze oder zumindest halbe Geschichte schon zu kennen, hat uns danach gefragt, warum wir uns eigentlich für die Geschichte interessieren und helfen wollen, und zuletzt hat sie uns dann auch noch irgendwie auf die Probe gestellt - erst wollte sie ganz viele Wertsachen im Austausch dafür haben, dass sie uns hilft - Ordhan sollte sogar seinen Ohrring hergeben! - aber als wir uns dann damit einverstanden erklärt haben, wollte sie den Krempel dann doch nicht mehr haben. Dabei hatte ich Ordhan gerade eben erst den Ohrstöpsel abgeschraubt! Naja, während ich das Ding also wieder an Ordhan befestigt habe, hat sie erklärt, dass sie uns helfen würde, aber nur, weil sie sich jetzt sicher sei, dass es uns wichtig genug wäre.

....

Bitte was? Waren ihr die verfluchten Leute also egal? Wir selbst waren doch völlig unwichtig, wir waren doch nur die Überbringer der schlechten Nachrichten (und der Fluchgabel). Aber wenn ihr die Leute egal waren, wieso wollte sie dann plötzlich weniger Wertsachen haben, als wir bereit waren, herzugeben? (Meinen reich verzierten Tulamidendolch hat sie übrigens trotzdem behalten - nicht weiter schlimm, das Ding war eh unpraktisch zu transportieren, und ich musste die ganze Zeit aufpassen, dass nicht irgendwelches Gesindel bemerkt, dass ich so ein Ding dabei habe, am Ende denken die noch, dass ich ein lohnendes Ziel für einen Überfall wäre!)

Wie auch immer, sie hat sich jedenfalls bereit erklärt, eine Salbe herzustellen, die den Fluch bei dem kleinen Jungen aufheben sollte (interessant, dass sie das so sicher sagen konnte, hatte sie die Gabel zu dem Zeitpunkt ja noch nicht mal zu Gesicht bekommen; vielleicht gibt es da so Standard-Fluchaufhebungs-Rezepte?), und danach wollte sie dann auch die Gabel entfluchen - letzteres würde aber eine Weile dauern, meinte sie (wiederum: Woher wusste sie das denn? Kommen ihr so verfluchte Gegenstände öfter mal unter die Finger? Und wenn ja, wer stellt die Dinger dann her? Vielleicht sollte sie sich dann mal mit denjenigen unterhalten, dass sie das besser sein lassen sollten? Oh, aber vielleicht kennen die sich ja auch, und haben eine Absprache, dass sie sich den Gewinn teilen, den die Hexe mit dem Entfluchen macht? Weil - die Hexe war schon irgendwie komisch. Also, ja, komisch sind die alle, aber die war anders-komisch als die Hexen in Weiden.)

Puh. Wo war ich? In der Hütte. Also, wir haben es uns dann also für die Nacht in der Hexenhütte (die recht geräumig und ganz hübsch eingerichtet war) gemütlich gemacht (und nein, ich habe nicht gefragt, ob ich die Hexe dafür bezahlen kann, dass ich ihr Bett nutzen darf - die hätte das bestimmt als respektlos eingestuft und mir Haare ins Gesicht gehext - oder so). Am nächsten Morgen (der Boden war eigentlich auch ganz gemütlich) hat sie uns dann also die Salbe in die Hände gedrückt, uns aber darüber informiert, dass wir die innerhalb von vier Tagen anfangen müssten beim Jungen aufzutragen, sonst würde sie nicht wirken. Angesichts unserer Reisezeit hierher war das... schwierig. Sie hat sich aber auch schlichtweg geweigert, das Zeug einfach zu dem Jungen hinzufliegen, weil sie sich ja um die Gabel kümmern müsste. Faule Ausrede, denke ich, die war einfach zu faul ihren Hintern auf ihren Besen zu schwingen. Immerhin hat sie uns noch eine Abkürzung durch den Sumpf nach Trondwand gezeigt, das würde dann schon reichen, meinte sie. Tja. Eire hat dann vorgeschlagen, dass sie einen Zauber machen könnte, mit dem sie... achja, genau, sie kann zaubern, die Zwölfgötter-Halbelfe. Hat sie bei der Gelegenheit mal so nebenbei erwähnt. Auf meine Frage, ob noch jemand zaubern könnte, haben dann alle die Köpfe geschüttelt. Auch der Klimperer, wohlgemerkt. Aber dazu komme ich später noch. Jedenfalls meinte Eire, dass sie einen Zauber könnte, mit dem sie beim Rennen nicht ermüden würde, und somit viel schneller beim Hof ankommen würde als wir. Wir haben uns dann aber dann drauf geeinigt, dass es nicht sinnvoll wäre, Eire alleine durch den Sumpf rennen zu lassen, und sind dann stattdessen der Abkürzung gefolgt, um dann in Trondsand neu zu entscheiden, wie wir die Sache am Besten angehen.

So, jetzt brauche ich aber mal eine Pause. Ich schreibe dir später den Rest der Geschichte!




So, fertig mit Essen! Jetzt kann es weitergehen.

Wir sind also nach einer weiteren Sumpfreise wieder in Trondwand angekommen... oh, ganz vergessen zu erwähnen, dass die Elfe (ist eigentlich nur zum Teil Elfe, haben wir mittlerweile herausgefunden - beziehungsweise hat sie uns erzählt) mit den Essensproblemen beim Aufenthalt bei der Hexe mal wieder versucht hat, den nahen See leerzufischen. Allerdings trat sie damit in scharfe Konkurrenz zum Kater, der auch seinen Teil am Fang abhaben wollte. Schlussendlich hat die Hexe den beiden die verbleibenden rohen Fische abgenommen und für den Rest (also auch für mich) zubereitet - was ja schon ziemlich nett von ihr war, sie hätte ja auch einfach erwarten können, dass wir uns selbst versorgen. Oh, wo wir gerade vom Kater reden - mit dem habe ich eine Weile lang gespielt, während wir den Abend auf die Hexensalbe gewartet haben. Geredet hat er aber leider nicht mit mir. Oh, und Ordhan ist im See schwimmen gegangen - vielleicht wollte er auch einfach nur wieder mit seinen Verwandten reden, habe ich ihn nicht gefragt. Jedenfalls... eigentlich wollte ich ja von Trondwein erzählen.

Also, wir sind zurück in der Stadt zu dem Schluss gekommen, dass es am Schnellsten wäre, wenn wir uns mal wieder eine Kutsche samt Kutscher mieten. Die Idee war an sich auch gar nicht so schlecht, nur wollte ich dann eben nicht in der Kutsche sitzen, sondern draußen, auf dem... Kutschstuhl? Das allein wäre auch kein Problem gewesen, aber die Elfe mit den spitzen Zähnen wollte auch dort sitzen, und so haben wir uns überlegt, den Kutscher vielleicht einfach als Notgroschen in die Kutsche zu setzen und das Ding selbst zu fahren. Ich meine - wie schwer kann das denn sein? Pferde antreiben und nach links oder rechts lenken?

Tja, es hat sich herausgestellt, dass das dann doch nicht so einfach ist, wie man denken würde. Jedenfalls haben wir, nachdem ich das Ding fast in den nächsten Graben gelenkt habe, den Kutscher gebeten, doch wieder die Zügel zu übernehmen. Die hungrige Elfe hat sich glücklicherweise dazu bereit erklärt, wieder ins Innere der Kutsche zu gehen, da für drei Leute auf der... Kutschbank? kein Platz war. Meinte zumindest der Kutscher, und ich war angesichts seines Geruchs dazu geneigt, ihm zuzustimmen, auch wenn es so rein vom Platz her wohl gereicht hätte, wenn wir uns etwas gedrückt hätten - ich bin ja nicht so breit, und die Fischelfe auch nicht. Wie auch immer, jedenfalls konnte ich dann auf der Fahrt die Aussicht genießen.

Wir erreichten dann also am nächsten Tag (die Nacht war abgesehen von den Selbstgesprächen der Metzelelfe ereignislos) gegen Mittag den Neudeichbauernhof, was bedeutete, dass das mit der Salbe schon reichlich knapp war. Zu allem Überfluss sahen wir dann auch noch ein gelandetes Drachenschiff der Thorwaler in der Nähe, und die Besatzung war gerade dabei, auf den Hof zuzustürmen, wohl um ihn ebenfalls anzuzünden (und dabei hatten wir doch gerade erst verhindert, dass ihm die Nachbarn seine Bude abfackeln!). Der Kutscher hat sich angesichts der Gefahr dann auch geweigert, weiterzufahren, und so sind wir alle rausgehüpft und auf den Hof zugerannt. Auf dem Weg haben wir beschlossen, dass die anderen die Sache mit den Thorwalern klären, und ich sollte die Salbe zu dem Jungen bringen (falls es zu Gewalttätigkeiten gekommen wäre, wäre ich eh keine Hilfe gewesen, bei TSA!). Eire mussten wir übrigens erst einmal erklären, was das Problem war, da sie das Schiff samt Thorwaler schlichtweg erst gar nicht gesehen hat. Vielleicht hat sie aus dem anderen Fenster geschaut, oder sie war von der Nachtwache so müde, dass sie vergessen hat, die Augen zu öffnen?

Während ich also auf dem Hof mir von dem Bauern das Fass habe zeigen lassen, in dem der Junge mittlerweile vor sich hinblubberte, haben die anderen sich zwischen den Hof und die Thorwaler gestellt. Wie mir Ordhan erzählt hat, haben die beiden anderen Spitzohren auch gleich damit begonnen, ohne Vorwarnung Pfeile auf die Nordleute zu schießen (die eine wollte mit Sicherheit einen erlegen, um ihn zu essen... bah). Dann aber hat der Klimperer mit einem Lied begonnen, das wohl so wunderschön war, dass es die Thorwaler beruhigt hat, und sie den anderen in die Arme gefallen sind. Den restlichen Abend gab es dann eine große Feier mit Wein und Met... ne, Spaß beiseite. Liest sich noch nicht mal sonderlich witzig, sollte ich vielleicht in Zukunft drauf verzichten. Also nochmal: Der Klimperer, der uns später erklärt hat, dass er ein Zauberbarde ist (also doch zaubern kann!) hat also ein Lied gespielt, das er Lied der Freundschaft nannte. Und offensichtlich ist ihm dies so gut gelungen, dass die Thorwaler sich daraufhin überzeugen ließen, friedlich wieder abzuziehen (wobei Lana mit ihrer Forderung, dass der eine von ihr getroffene Thorwaler den Pfeil wieder zurückgeben sollte, fast doch noch ein Blutbad ausgelöst hätte - hat mir zumindest Ordhan erzählt).

Ich habe derweil den Jungen mit der Salbe versorgt und der Tochter des Deichbauern erklärt, wie die Salbe anzuwenden ist. Ich meine... ich könnte ja eigentlich noch bleiben und das selbst erledigen, aber wie schon gesagt zieht es mich in die Ferne, weg von diesen leicht durchgeknallten Leuten und ihren gefährlichen Nachbarn zu Lande und zur See. Dem Deichbauern habe ich übrigens gesagt, dass seine Gabel von der Hexe in ein paar Tagen hergeflogen kommen sollte. Er war von dem Gedanken anscheinend nicht so sonderlich begeistert, keine Ahnung wieso. Wobei ich gar nicht mal sicher bin, dass die Hexe die Gabel wirklich selbst herbringt. Vielleicht beauftragt sie ja auch einfach einen Durchreisenden, das zu erledigen... scheint in einigen Gegenden Aventuriens jedenfalls üblich zu sein, Fremde solche Dinge übernehmen zu lassen.

Egal. Die Sache ist für mich damit erledigt. Mal sehen, ob die anderen mir noch eine Weile Gesellschaft leisten werden - so seltsam sie alle mehr oder weniger sind, sind sie doch eigentlich auch ganz nett und haben das Herz am richtigen Ort.

Ewiger Hass

Liebes Reisetagebuch,

Diesmal habe ich mir sogar den Namen des Dörfchens gemerkt, in dem wir gerade sind: Hollerdonk!

Außer dem Spitzohr Ordhan begleiten mich immer noch der Zauberbarde Esindio und Eire, die tiefgläubige Wildnis-Halbelfe. Unsere Erkundung alter nostrischer Geheimnisse ist die letzten Wochen sehr erfolgreich (und lukrativ!) gewesen, also sitzen wir gerade gut gelaunt in der kleinen Hütte, die hier im Dorf „Gasthaus“ genannt wird. Nach dem Essen wollen wir... oh, da kommt schon das Essen. Bis später!

Ein Auftrag! Abenteuer! Alte Geheimnisse! Hah, es lohnt sich doch immer wieder, fremde Leute einfach ungeniert anzuquatschen. Diesmal waren es zwei Frauen, die sich am Nebentisch unterhalten haben. Wie ich (auch ganz ohne spitze Ohren!) mitbekommen habe, wollte die eine, die wichtiger aussah, die andere, anscheinend Unwichtigere, damit beauftragen, ein paar Leute zu suchen, die sich im Wald verlaufen haben. Und da wir mit Eire ja eine dabeihaben, die sich im Wald nie verläuft, dachte ich mir, dass wir den beiden ja einfach unsere Dienste anbeiten könnten! Kann ja nicht so schwer sein, ein paar Leute im Wald zu finden? Und gut bezahlt werden sollte es auch, da bin ich natürlich hellhörig geworden!

Tja, also, peinlich natürlich dass die eine, die ich für unwichtiger gehalten habe, eine nostrische Adlige war, während die andere nur eine Armeeoffizirin war. Die Hinterwäldler-Adlige war natürlich nicht begeistert, dass ich... ein kleeeein wenig respektlos war, aber ein kleiner Scherz und mein freundliches Lächeln haben das Eis gebrochen, denke ich. Jedenfalls sind wir jetzt mit drin, in diesem Auftrag. Es geht um ein paar nostrische Soldaten, die auf andergastschem Gebiet spionieren sollten, aber spurlos verschwunden sind. Kann ja nicht so schwer sein, die wiederzufinden?

Unser Zeug, das wir im nostrischen Wald... gefunden haben, lassen wir hier bei der Offizierin, die schien vertrauenswürdig. Und morgen geht es dann auf nach Andergast! Also, zumindest über die Grenze. Die Hinterwäldler-Adlige muss sich dazu noch verkleiden, ich habe ihr vorgeschlagen, dass ich sie mit horasischen Sachen ausstatten könnte - fand sie aber anscheinend nicht so gut, sie will jetzt einen auf Thorwaler machen. Dabei sieht sie doch gar nicht wie eine Nordfrau aus? Außerdem - laufen die nicht immer oben ohne herum? Egal, ich habe da nichts mehr gesagt, wenn sie das so machen will, ist das ihr Problem. Im Zweifelsfall kann ich ja immer noch die Beine in die Hand nehmen, wenn die Andergaster sie einsacken.

Dann bis morgen! Ich bin gespannt, in was für eine Sache wir hier wieder hineingestolpert sind!


Liebes Reisetagebuch,

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Heute war ein... anstrengender Tag. Nicht nur, weil wir den ganzen Tag auf den Beinen waren und zwei Dörfer besucht haben, sondern auch, weil die Leute hier in der Gegend... seltsam sind. Also, nicht nur einfach Hinterwäldler-seltsam, sondern seltsam-seltsam. Aggressiv, gereitzt, streitlustig, misstrauisch. Aber auf eine ganz komische Weise. Und dann haben sich da bei einer Schlägerei zwischen Jugendlichen auch noch ein paar halbtot geschlagen. Also... eine ist sogar tot geblieben, sogar nachdem unserer Klimperer mit seiner Harfe ein Wunder vollbracht und ein paar der Jugendlichen zurück ins Leben geholt hat. Aber - das hat die anderen Leute irgendwie so gar nicht richtig interessiert!

Das ist jetzt wieder etwas wirr, nicht wahr? Oje.

Gut, also versuche ich es mal wieder der Reihe nach. Wir sind heute morgen also frohen Mutes von Hollerdonk aus aufgebrochen (die Hinterwäldler-Adlige hat sich gut in die Gruppe eingepasst, ihre Riesen-Mordwaffe zurückgelassen und ihr nostrisches Wappen entfernt - sie versucht sogar überhaupt nicht, uns Befehle zu erteilen! Sehr erfrischend), und Richtung Grenze marschiert. Wie ich gestern aufgeschnappt hatte, sollte es da so einen kleinen Hügel geben, an dem die Jugendlichen zweier Dörfer jedes Jahr eine unwichtige Schlacht nachspielen, die da mal zwischen Nostria und Andergast stattgefunden hat. Die Leute im Gasthof hatten sich darüber unterhalten, dass es ja bald wieder soweit sein müsste, und dass das ja immer ein Riesenspaß wäre. Letzteres war dieses Mal aber auf jeden Fall nicht... der Fall? Hört sich doof an... egal. Wir sind also irgendwann gegen Mittag auf diesen Hügel zumarschiert, und haben es schon von Weitem gehört, dass da ein Kampf im Gange ist. Ich bin sofort darauf zu gestürmt (frag mich nicht wieso, seit wann renne ich denn auf den Kampfeslärm zu?!), aber als wir ankamen, war schon das Gröbste vorbei, die Verletzten haben sich blutend zu beiden Seiten davongeschleppt. Da ich ja so absolut keine Erfahrung im Verbinden von Wunden habe (damals in Meridiana hat das ja... wie hieß er noch mal? Der Kerl mit dem netten Lächeln, du weißt, wen ich meine!... erledigt. Hätte ich mir eigentlich mal was beibringen lassen können, wenn ich es mir recht überlege), hielt ich es natürlich sofort für eine absolut gute Idee, mich am Versorgen der Verwundeten zu beteiligen! Wie gesagt, frag mich nicht warum, vielleicht verhalte ich mich hier in dieser Gegend auch einfach ein wenig komisch? Auf jeden Fall lagen da einige auf dem Hügel herum, die sich nicht mehr geregt haben. Meine Ersteinschätzung war, dass sie alle tot waren! Eire und Esindio haben mir da aber widersprochen, also habe ich mich rasch ans Verbinden der am schwersten Blutenden gemacht. Esindio hat mir kurz darauf aber das Verbandszeug aus den Händen genommen und mir erklärt, dass man den Hals nicht verbinden sollte? Aber wenn es da doch blutet?

Unserer Klimperer hat dann wie gesagt auch noch seine Zaubermusik erklingen lassen, aber für eine hat es nicht gereicht. Wir haben ein paar Freunde von ihr gefunden, und sie zurück in ihr Dorf begleitet, wo wir uns ein wenig umgehört haben. Und wie gesagt, die Leute waren alle... seltsam. Immerhin haben wir herausgefunden, dass die Gesuchten vor einer Weile hier im Dorf waren und dann Richtung Andergast abmarschiert sind - genauer: Richtung Beilstatt.

Ich muss gerade mal eine Pause machen, das Bad ist jetzt frei!


Liebes Reisetagebuch,

So, jetzt bin ich bereit zum Schlafen gehen. Aber ich muss dir ja noch rasch vom Rest des Tages berichten! Also, wir sind dann auch über die Grenze nach Andergast (wo es ganz genauso aussieht wie in Nostria, selbst die Leute sehen gleich aus, keine Ahnung warum die hier so eine große Sache daraus machen, wer nun zu wem gehört) und nach Beilstatt marschiert, wo wir am späten Nachmittag angekommen sind. Nachdem wir uns erst mal die Zimmer im örtlichen Gasthaus gesichert haben (ich habe wieder ein Einzelzimmer! Die anderen sind wohl geselliger als ich, jedenfalls entscheiden sie sich immer für den Schlafsaal? Na, bis auf die Adlige, die hat das andere Einzelzimmer genommen, aber das war ja zu erwarten. Nase hoch in die Luft wird bei Adligen ja irgendwie so vererbt oder so), haben wir uns aufgeteilt, um möglichst schnell möglichst viele Informationen zu sammeln.

Spitzohr hat mich zum Tsatuaria-Schrein begleitet, den ich natürlich als erstes besuchen musste! Dort sind wir auf eine hübsche Rothaarige gestoßen (diese Haare! Ein Traum!), die zwar noch ziemlich jung war, aber schon die Aufsicht über den Schrein hatte (anscheinend ist ihr Vorgänger etwas frühzeitig verstorben?). Ich habe sie gleich mal gefragt, ob die spielenden Kinder da in der Ecke die Kriegswaisen sind, oder ob die woanders untergebracht werden? Sie schaute mich an, als hätte ich gerade auf den Altar gepinkelt, und behauptete dann ernsthaft, es gäbe gar keine Kriegswaisen im Dorf! Wie bitte? Nostria und Andergast führen andauernd Krieg gegeneinander, und es gibt keine Waisen? Bewerfen die sich mit Wattebällchen und entscheiden Schlachten im Armdrücken, oder dürfen nur Leute ohne Kinder in die Armee? Komische Lüge, ich meine, es sieht doch jeder, dass es Waisen gibt, wieso sollte man da etwas anderers behaupten?

Na, jedenfalls habe ich dann eben gefragt, ob es denn in der Umgebung Hexen gäbe, wir müssten unbedingt Kontakt zu einer aufnehmen. Sie schaute mich wieder seltsam an (diesmal aber eher, als hätte ich ihr ein unmoralisches Angebot gemacht) und meinte, dass es hier in der Umgebung vor allem Sumen gäbe (das hört sich zwar nach einem leckeren Eintopf an, ist aber die Bezeichnung für Männer, die das gleiche wie die Hexen machen, aber sich anders nennen wollen - so habe ich das zumindest verstanden).

Na, da ich ich also irgendwie keinen richtigen Zugang zu der Frau gefunden habe, hat Ordhan das Gespräch übernommen und sich nach den nostrischen Sold... äh, den definitiv „andergastschen Fallenstellern“ erkundigt. Und tatsächlich wusste die Frau zu berichten, dass die Gruppe vor ein paar Wochen hier im Dorf war - und einer war sogar schon wieder zurückgekehrt! Auf unsere Frage, wo er denn dann hingegangen sein, führte sie uns in den Keller, wobei sie uns warnte, dass der Mann ein wenig durcheinander sei. Es stellte sich heraus, dass dies noch weitaus untertrieben war - aus dem angstschlotternden Bündel war nichts Vernünftiges herauszuholen. So sind wir also wieder abgezogen (wobei ich dem Mann glaube ich noch versprochen habe, ihm beim nächsten Besuch ein paar Süßigkeiten vorbeizubringen), und ich habe mir vorgenommen, Eire um Hilfe zu fragen - die kann doch heilen? Glaube ich?

Wir sind dann also zur Schenke, die von Klimperer und Adliger untersucht werden sollte. Als wir dort ankamen, war Esindio am klimpern und die Adlige am Tanzen und Singen - anscheinend haben die beiden „Informationssuche“ mit „Alkoholaufnahme“ verwechselt? Jedenfalls kam kurz danach auch noch Eire wieder dazu, die sich inzwischen mit dem Firungeweihten des Dorfes (Holk! Er hieß Holk! - frag mich nicht, ich finde das witzig) unterhalten hatte - der Mann hatte den Sold... äh Fallensteller im Wald gefunden (den Namen hatten wir doch auch... Kaspar... irgendwas. Ich nenne ihn also einfach Kaspar. Also, den Halbverrückten aus dem Wald. Nein, nicht den Geweihten, den anderen! Der, der vom Geweihten gefunden wurde!) und ins Dorf gebracht. Ordhan und ich sind dann noch schnell zum Firunschrein geflitzt, um den Geweihten zu fragen, ob er uns morgen in den Wald bringen und den Ort zeigen könne, wo er den Mann gefunden hat - und er hat zugesagt! (Also, der Geweihte, Holk!) Richtig nett war er, für so einen Firungeweihten.

Auf dem Rückweg sagte ich dann zu Ordhan: „Ich gehe jetzt ins Bett!“ Er antwortete „Ich komme später nach.“ Woraufhin ich meinte: „Aber nicht in mein Bett!“ - du hättest sein Gesicht sehen sollen! Knallrot verlegen war er! Richtig süß! Dabei wollte ich ihn doch nur ein wenig aufziehen.

Übrigens ist mir vorhin noch eine Geschichte eingefallen, die ich bei meiner letzten Reise durch Andergast aufgeschnappt habe: Dass nämlich vor langer Zeit so zwei Könige der Tiere sich hier in der Gegend zerstritten haben, und sich dieser Streit irgendwie auf die Könige der Menschen übertragen hat. Hat auch etwas mit den Tieren im Wappen der Königshäuser von Andergast und Nostria zu tun, da sollte ich die Adlige vielleicht mal drauf ansprechen, die kennt sich mit Wappen ja bestimmt weitaus besser aus als ich!

So, das war es dann aber für heute, ich gehe jetzt schlafen. Gute Nacht, mein liebes Reisetagebuch, wir sehen uns morgen wieder! Nachdem wir ein wenig im Wald gestöbert haben, hoffentlich!

Nachtrag: Also, irgendwie ist mir das Essen gestern abend wohl nicht so gut bekommen, jedenfalls bin ich heute im Bett geblieben (wenn ich nicht gerade zur Latrine gerannt bin). Die anderen haben derweil bestimmt schon das ganze Geheimnis gelü... ich muss weg!...

Wieder da. Ich schreibe morgen wieder... mir ist soooo schlecht....


Liebes Reisetagebuch,

es hat mich doch nicht den ganzen Tag im Bett gehalten, vor allem nachdem ich von draußen auf dem Marktplatz Geschrei gehört habe. Ich habe also einfach die Zähne zusammengebissen und bin runtergetaumelt, wo ich auf die anderen gestoßen bin, die wohl mittlerweile im Wald gewesen waren (es war schon später Nachmittag.

Sie erzählten mir, dass sie gerade einen Streit zwischen zwei Sumen (wie gesagt, kein Eintopf, sondern männliche Hexen) beobachtet hätten, und wir entschieden uns rasch, dem einen davon zu folgen, der offensichtlich eine Hütte in diesem Dorf besaß. Dort angekommen nahm Ordhan mir das Versprechen ab, den Kerl nicht auszufragen und auch ansonsten die Klappe zu halten - anscheinend dachte er, ich würde den Mann gegen uns aufbringen? Ich weiß gar nicht, wie er auf so eine Idee kommt?

Jedenfalls hat der Sume also die Tür geöffnet, nachdem Ordhan angeklopft hat, und seine Begrüßung war etwas ruppig, sodass die Hochnase gleich wieder beleidigt war, also musste doch ich wieder einspringen und die Wogen glätten. Mein Hinweis, dass wir hier wären, um zu helfen, hat ihn offensichtlich überzeugt.

Kurz darauf saßen wir also in seiner kleinen Hütte, und er hat uns über den Streit mit dem anderen Sumen erzählt - es ging wieder um diese Tierkönige und deren Streit, und dieser Sume (Kladur mit Namen) war der Meinung, dass dieser Streit tieferliegende Ursachen haben müsste, und dass man dagegen etwas tun müsste. (Der andere Sume war offensichtlich anderer Meinung, aber das ist nicht weiter wichtig) Wir haben dann auch noch über einen See gesprochen, der möglichweise der Quell des Übels sein könnte, jedenfalls würde er sich dort „unwohl“ fühlen. Gut, dass ich keinerlei magische Begabung habe!

Oh, ganz vergessen, er war auch noch so nett, mir einen Tee zu machen, der mir mit meinen Magenproblemen geholfen hat. Das Rezept muss ich unbedingt noch mitnehmen! Hochnase war übrigens so wenig an der ganzen Sache interessiert, dass sie irgendwann sich einfach einen Besen geschnappt und angefangen hat, ein paar Scherben in der Hütte zusammenzukehren. Ich musste dann schnell dem Kladur erklären, dass es bei Thorwalern so üblich ist, dass man sich als Gast an den Hausarbeiten des Gastgebers beteiligt. Hat er mir anscheinend abgenommen. Gut, dass ich nie um eine Erklärung verlegen bin!

Naja, jedenfalls haben wir dann ausgemacht, uns am nächsten Tag erneut von dem Geweihten (Holk! Er heißt Holk!) in den Wald führen zu lassen, und dann auch Richtung See zu gehen. Da soll es dann auch Goblins geben, die aber nicht gefährlich zu sein scheinen, jedenfalls sprach Kladur gut von deren Schamanin. Ach, bei der Gelegenheit musste ich dann auch noch dem Spitzohr, also Ordhan, erklären, was Goblins sind! Hat er anscheinend noch nie von gehört? Jedenfalls leuchtete ihm das Konzept „Goblin“ auch nach meiner Erklärung ganz grundsätzlich nicht ein, ich weiß nicht wieso. Er hat sich jetzt wohl gemerkt, dass alles, was kleiner ist als er, und einen roten Pelz hat, ein Goblin ist. Ich weiß nicht so wirklich, ob ich mit diesem Ergebnis zufrieden sein soll? Aber er wird den kleinen Stinkern ja noch eher früher als später begegnen, dann wird er es wohl verstehen.

Als wir dann schon aufbrechen wollten, meinte Ordhan, dass er und ich noch etwas alleine mit dem Haldur zu … nee, Kladur hieß er doch? Holk! hieß der andere. Nja, jedenfalls, wir müssten zu zwei noch etwas mit dem Sumen besprechen. Ich war etwas überrascht, bin aber dabeigeblieben, und Spitzohr hat dann dem Sumen von seiner komplizierten Herkunft erzählt (sowie, dass er am Liebsten mit Fischen redet). Wir haben dann auch noch ein wenig über mögliche Feenwelten bei dem See spekuliert, was ich dann später, als der Klimperer mit dabei war, etwas unvorsichtig ausgeplaudert habe.

Tja. Danach sind wir also noch schnell zu Holk! gelaufen, haben uns mit ihm für morgen verabredet, und ich habe, wie gesagt - ich war wohl noch etwas benommen von der Sache heute morgen, den ganzen neuen Informationen, und davon, dass ich müde war - mich verplappert. Ich habe natürlich schnell versucht, abzulenken, und ihn gefragt, was er eigentlich so im Wald die ganze Zeit macht, ob er Bäume fällt, oder so. Daraufhin hat er uns richtig interessante Dinge über die Pflanzen und Bäume der Umgebung! Die anderen fanden das offensichtlich langweilig, die haben sich schon mal verabschiedet.

Zurück in der Herberge habe ich mich dann zu den anderen gesellt, die sich alle schon irgendwelches Gesöffs bestellt hatten, und als der Klimperer dann angefangen hat, schief zu singen, warf die Hochnase einen Krug nach ihm (mit dem Ausruf „Ich bin die thorwalsche Kampffee“? Was auch immer das bedeuten soll?), dem Klimperer aber ausgewichen ist, und so hat Ordhan das Ding ins Gesicht bekommen. Keine Ahnung, wie das ausgegangen ist, ich habe den Raum daraufhin fluchtartig verlassen, um dir zu schreiben.

Unten ist es jetzt auch wieder ruhig, also ist wohl wieder alles in Ordnung. Hoffe ich. Falls sie sich nicht gegenseitig totgeschlagen haben. Wobei ich in dem Fall auch nichts machen könnte. Nun ja, liebes Reisetagebuch, es war ein langer Tag, und ich bin müde, also gehe ich jetzt schlafen.

Gute Nacht, und bis morgen! Deine Elaria