Spielerwelten:Phex-Kirche

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Autoren: Stip, Caleya Spielerwelten: Dieser Artikel erweitert die offizielle Spielwelt oder wandelt sie ab.
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Kategorie: Organisation
Stips Aventurien

1001 Gottheiten - Götterwelt - Borbarads Motivation - Phex-Kirche
Die Armee aus dem 10. Zeitalter - Krieg in Albernia
Konkurrenz der Gilden - Wissen ist Macht
Eine Geschichte aus Dunklen Zeiten

Khômkrieg:
Chroniken - Alanfanische Armee - Novadische Truppen
Schlachten - Persönlichkeiten - Kritik am Abenteuer
Meine Spielgruppen - Zusatzmaterial

Hintergrund[Bearbeiten]

Folgende Ausarbeitung der Phex-Kirche habe ich in meiner G7-Runde verwendet, siehe dazu auch Spielerwelten:Leomir von Eychgras/Aufzeichnungen

Arten von Geweihten[Bearbeiten]

  1. Händler: Es gibt sowohl Händler, die ihr Leben geheim Phex geweiht haben, als auch solche, die in öffentlichen Tempeln Verträge abschließen und segnen.
  2. Diebe: Wie bei allen Geweihten zählt auch bei den Dieben nicht nur der Gewinn, sondern vor allem auch der Weg dorthin. Es geht darum, sich eine Herausforderung zu suchen, dennoch muss am Ende der Gewinn auch das Risiko Wert sein.
  3. Jäger der Nacht: Die Jäger der Nacht sind eine Strömung in den Tulamidenlanden (mit Zentrum im Sternenturm in Fasar), wo die Praioskirche schwach ist. Sie jagen Verbrecher, deren Taten selbst mit den Prinzipien Phexens nicht vereinbar sind. Insbesondere jagen sie auch die Diener des 13. (und sind damit im Allgemeinen erfolgreicher als die Praios-Kirche im restlichen Aventurien).
  4. Magier: An jeder Akademie und auch in den Reihen anderer Magiebegabter gibt es sowohl heimliche als auch öffentliche Geweihte in allen Positionen, die die Geheimnisse der Magie ergründen und Informationen sammeln.
  5. Informationssammler: Zwar gilt, dass jeder Geweihte Informationen sammeln sollte, doch gibt es Geweihte, die sich darauf spezialisiert haben. Wichtig ist dabei, die Informationen auch ordnen, sortieren und Verknüpfungen erstellen zu können.
  6. Mystiker: Zwar strebt jeder Geweihte danach, Phexens Willen zu ergründen, doch gibt es auch Mystiker, die allein das tun, um die Rätsel, die Phex uns stellt zu ergründen.

Gedanken zur Phexkirche[Bearbeiten]

Von "Eslam", einem Nachtschatten:

Die wichtigste Lektion im Leben eines Phexgeweihten: Blicke hinter den Schleier – nichts ist, wie es scheint. Dazu gehört auch: I. seine Mitmenschen nicht zu unterschätzen. II. seine eigenen Fähigkeiten nicht zu unterschätzen. III. seine Mitmenschen nicht zu überschätzen, egal, ob Freund oder Feind. IV. sich selbst nicht zu unterschätzen, sondern Vertrauen in seine Fähigkeiten zu haben.

Hinter den Schleier zu blicken bedeutet, Informationen zu sammeln, denn nur mit ausreichend Informationen kann man Situationen richtig einschätzen und Entscheidungen treffen. Deshalb sammelt jeder Geweihte Informationen.

Es gibt nicht die eine Phexkirche. Die Kirche ist sehr vielfältig, da sie eine Ansammlung von Menschen mit unterschiedlichsten Beweggründen und Zielen ist, die alle den Glauben an Phex gemein haben. Dabei ist jeder Geweihte für sich selbst verantwortlich, aber dafür auch frei zu tun, was immer er möchte. Seine Taten hat er nur vor Phex zu verantworten. Der Tempeldienst beruht auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung.

Ein wichtiges Gebot der Kirche lautet: Gebe niemals, ohne eine angemessene Gegenleistung erwarten zu können. Man geht also immer einen Handel ein. Denn: Das Handeln erst hat die Entwicklung von Zivilisation möglich gemacht. Wenn jede Stadt nicht alles, was sie braucht, selbst produzieren muss, sondern Handel treiben kann, ermöglicht das, dass sich die Städte auf bestimmte Waren spezialisieren können. Dies wiederum führt dazu, dass Wissen nicht so schnell verloren geht und die Kreativität erhöht wird. Völker, deren Gesellschaft auf dem Raub von Gütern basiert, sind zurückgeblieben und primitiv, wie man an den Ferkina sehen kann.

Das Prinzip von Leistung und Gegenleistung stellt auch kein Problem für heimliche Geweihte dar, denn das gesamte gesellschaftliche Leben basiert auf diesem Prinzip. Gerade im Umgang mit Fremden wird jeder Mensch darauf bestehen, dass ihm seine Leistungen auf die eine oder andere Weise vergolten werden. Probleme könnten sich auf den ersten Blick nur im Umgang mit Freunden und Familie ergeben, aber auch diese Behauptung hält einem zweiten Blick nicht stand: Auch im Freundeskreis ist das Prinzip allzeit präsent, es ist nur verdeckt. Unausgesprochen erwartet jederman, dass seine Freunde dasselbe bereit sind für ihn zu tun, was man für sie zu tun bereit ist. Das Nicht-Ausprechen dieser Forderung erlaubt es den Menschen einander zu vertrauen. Man vertraut darauf, dass Freunde es einem danken werden, wenn man für sie einsteht.

Wie steht es aber mit selbstaufopferungsvollen Menschen wie den Traviageweihten? Hier gibt es zwei Erklärungen; welche davon zutrifft, darüber gibt es leidenschaftliche Diskussionen.

I Auch diese Menschen verlangen eine Art von Gegenleistung, auch wenn sie das nicht offensichtlich und bewusst tun. II Da dies ausschließlich sehr religiöse Menschen sind, ist es möglich, dass die eingeprägten Prinzipien einer Gottheit das Bedürfnis nach Leistung und Gegenleistung unterdrücken oder sogar tilgen.

Eslams Meinung hierzu: Das Bedürfnis nach Leistung und Gegenleistung ist eine Gabe Phexens, die jeder Mensch in sich trägt, weil sie ihm sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Die Gaben der Götter kann man unmöglich unterdrücken oder verleugnen; ob bewusst oder unbewusst, sie werden immer zutage treten. Damit entfällt Möglichkeit II, und auch Traviageweihte und andere verlangen sicher eine Gegenleistung. Der Unterschied zum normalen Menschen liegt darin, dass sie sie nicht direkt von ihren Mitmenschen verlangen. Wie jemand, der ein Kind rettet, die Gegenleistung nicht von diesem verlang, sondern von dessen dankbaren Eltern, verlangen die Geweihten die Gegenleistung von ihrem Gott, stellvertretend für dessen unmündige Gläubige. Was können die Götter ihnen aber bieten? Die Aufnahme in eines der Paradiese. Unbewusst übertragen diese Menschen also die Gegenleistung für ihre Aufopferung ins Nachleben. Sie arbeiten und schuften für andere und erwarten dafür, dass ihr Gott sie in sein Paradies erhebt. Im Prinzip also wieder Leistung und Gegenleistung.

Hoffnung Ein Phexgeweihter hat sich immer allen Unwägbarkeiten zu stellen und mit ihnen zu planen. Er hat die Pflicht, sich auf alle Konflikte, die ihm drohen könnten, vorzubereiten. Muss ein Phexgeweihter erst hoffen, dass sein Plan aufgeht und ein Problem nicht auftritt, ist es schon zu spät, und er hat versagt.

Schubladen – nichts ist unmöglich Jeder Mensch kategorisiert die Welt in Schubladen. Ein Diener Phexens ist aber dazu angehalten, die Zahl und Art seiner Schubladen variabel zu halten. Er darf sich nicht dazu verleiten lassen, die Welt nur durch seine Vorstellung zu sehen und der schon bestehenden Kategorisierung unterzuordnen. Löst man sich von seinen Erwartungen und ist bereit, sein Weltbild stets zu verändern, erhält man einen Blick auf die Welt, wie sie wirklich ist, einen Blick hinter den Schleier, und lernt, dass nichts unmöglich ist. Immer, wenn du glaubst, dass etwas unmöglich ist, gibt es jemanden anderswo auf Dere, in einer Globule, einer anderen Sphäre oder an Orten, die du dir nicht vorstellen kannst, der genau das in diesem Augenblick vollbringt.

Informationsnetze Die einzelnen Tempel sind nicht bereit, ohne weiteres ihre gesammelten Informationen preiszugeben, denn diese stellen ihren Reichtum dar. Täten sie das aber, entstünde ein Informationsnetzwerk, mit dem kein bisher bestehendes auch nur annähernd mithalten könnte.

Leistung und Gegenleistung – eigene Überlegungen

Frage: Agieren Menschen wie Travia- oder Perainepriester völlig uneigennützig, oder verlangen sie doch insgeheim eine Gegenleistung, vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein?

These: Auch solche Menschen handeln immer nach dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung, ob bewusst oder unbewusst.

Diese These basiert auf zwei Annahmen: I Das Verlangen jedes Menschen nach dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung ist eine Gabe Phexens. Jeder bekommt sie zumindest in spürbarem Maße in die Wiege gelegt. II Göttliche Gaben aber kann man weder unterdrücken noch ganz beseitigen, sie werden immer zutage treten, ob nun bewusst oder unbewusst.

Annahme I ist sehr schwierig zu beweisen oder zu widerlegen, prinzipiell spricht aber nichts dagegen, sie als wahr anzunehmen.

Um Annahme II bewerten zu können, kommt man nicht umhin, sich allgemeinere Gedanken zu dem Thema zu machen, was denn eigentlich alles zu den göttlichen Gaben zählt, und ob es Beispiele für Gaben gibt, die unterdrückt werden können.

Darüber, was alles zu den göttlichen Gaben gezählt werden kann, dürften die Menschen (vor allem solche verschiedener Kulturkreise oder Anhänger verschiedener Gottheiten) sehr uneins sein. Dennoch soll hier versucht werden, einige wenige aufzuzählen. Wichtig ist hierbei, dass es sich um Eigenschaften handelt, die der Mensch von Geburt an besitzt, die er also nicht erlernen kann.

   Magie, Hesindes Gabe (oder Phexens, je nach Kulturkreis)
   Humor (Gabe Phexens)
   die Gabe, anderen Menschen zu vertrauen und ihnen (geistige) Treue zu erweisen (Travia)
   Milde und Güte (Travia)
   Heldenmut und Tapferkeit (Rondra)
   Vergessen (Boron)
   der Verstand (Hesinde) 

Bei all diesen Gaben fällt auf, dass sie in der menschlichen Gesellschaft ungleichmäßig verteilt sind. Haben die Menschen, die eine Gabe nicht oder kaum aufweisen, diese von vornherein in geringerem Maße erhalten, oder gelingt es ihnen - vielleicht mit Hilfe eines andere Gottes - diese Gabe zu unterdrücken?

Bei der Magie ist es offensichtlich: Nicht jeder Mensch verfügt von vornherein über diese Gabe. Diejenigen aber, die sie besitzen, können sie entweder mit Hilfe des Eisens unterdrücken oder aber mit Praios' Hilfe ganz von sich nehmen lassen. Es gibt humorlose und sehr humorvolle Menschen. Humorvolle Menschen werden das auch immer bleiben, dennoch denke ich, gibt es viele Menschen, die diese Gabe ihrer Profession wegen in gewissem Maße unterdrücken. (Sonst gäbe es erschreckend wenige humorvolle Menschen, wenn man sich so die vielen Praios- und Rondrageweihten, Gardisten, Soldaten und andere Menschen anschaut - und das beängstigte mich doch sehr). Auf diese Weise lässt sich auch mit den anderen genannten Gaben verfahren: Es ist den Menschen möglich, ihr Vertrauen in andere zu unterdrücken und Misstrauen zu entwickeln; es ist ihnen möglich, hartherzig und feige zu handeln, und ihren Verstand verkümmern zu lassen. Es ist ihnen möglich, sich bestimmte Dinge immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Es muss also möglich sein, Gaben der Götter unterdrücken zu können. Nun haben einige Gaben einen ungleich größeren Einfluss auf unser Leben als andere. Daher liegt die Vermutung nahe, dass solche, die sich stark auf unser Leben auswirken, die praktisch immer unser Handeln bestimmen, nur schwer zu unterdrücken sind, im Gegensatz zu anderen weniger alltäglichen. Zu ersteren zähle ich das Prinzip von Leistung und Gegenleistung, zu letzteren die Magie.

Auf die Ausgangsfrage bezogen, bedeutet das:

I Der Großteil der augenscheinlich eigennützigen Menschen handelt doch - wie oben ausgeführt - nach diesem Prinzip und verlangt eine Art von Gegenleistung. II Dennoch vermag es Menschen zu geben, die - wenn auch nur mit göttlicher Hilfe - das Verlangen, nach diesem Prinzip zu leben zu unterdrücken vermögen. Solches sind dann ausgewählte Streiter dieser Götter mit dem Zweck zu missionieren und andere dazu zu bringen ebenso zu handeln.


Frage: Gibt es einen freien Willen oder sind die Menschen nur Spielzeuge der Götter? Sind alle Menschen von Grund auf gleich geschaffen?

Die Phexkirche (die es, wie wir wissen, nicht gibt) ist überzeugt, dass der Mensch einen freien Willen hat. Er hat immer eine Wahl zwischen möglichen Alternativen, die über sein Leben entscheiden. Es gibt kein vorherbestimmtes Schicksal, auf das der Mensch keinerlei Einfluss hätte. Die persönliche Freiheit eines Menschen ist sein höchstes Gut und durch nichts aufzuwiegen.

Wie kommt es dann, dass ausgerechnet in den Tulamidenlanden, in denen die Phexkirche viel Macht und Einfluss hat, Sklaverei allgegenwärtig ist?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst folgende verwandte Fragen klären: I Wer handelt dort mit wem? II Wie ist diese Gesellschaft aufgebaut? III Ist Freiheit ein Gut, welches jedem zusteht, oder muss sich jeder seine persönliche Freiheit erst erkämpfen? Oder gibt es gar bestimmte Gruppen, denen Freiheit zusteht, während andere sie sich erst erkämpfen müssen?

zu III: Jede der drei Auffassungen findet ihre Anhänger in der Kirche.

zu I: Zunächst soll der Sachverhalt für die Tulamidenlande erläutert werden, um anschließend zu versuchen, die Erkenntnise zu verallgemeinern und am Beispiel Al'Anfas zu prüfen.

Wer handelt also mit Sklaven?

Verkäufer – Zwischenhändler – Käufer

Die "Verkäufer" sind sozusagen die Erzeuger der Ware "Sklave". Dies kann auf drei Arten geschehen:

- gewaltsam (bedingt, dass der Verkäufer nicht direkt Teil der Gesellschaft ist oder wenn dann den niederen Schichten angehört) - mit Sklaven als sich selbst vermehrender Ware; sehr langwierig - durch freiwillige Begebung in die Sklaverei nach Verschuldung


(Einschub zum Handel: Es gibt auf der einen Seite große Handelshäuser, die den Handeln in den Städten dominieren. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor Tauschhandel auf dem Land. Beide Formen dürften ein ähnliches Volumen aufweisen, aber die großen Handelshäuser verfügen im Gegensatz zu den vielen Dorfbewohnern Macht und Einfluss.)


"Zwischenhändler" sind die üblichen Sklavenhändler.

"Käufer" sind sehr wohlhabende Menschen, die Bedarf an anderen Menschen haben, die niedere Arbeiten für sie verrichten.


zu II: Die tulamidische Gesellschaft: Es gibt keinen Adel im Sinne des Mittelreiches, stattdessen basiert die Gesellschaft auf Macht, Einfluss und damit verbunden auf Reichtum und Besitz jeglicher Art. Typisch für die Tulamidenlande sind die Händler, die ihr Leben damit zubringen, alle Arten von Waren anzukaufen und wieder zu verkaufen. Nach solcher jahrelanger Beschäftigung ist es nicht verwunderlich, wenn solche Händler allem in ihrer Umgebung einen Preis zumessen - auch den Menschen.


Sklaven findet man in allen Beschäftigungsfeldern: als Feldsklaven, Minensklaven, aber auch als Haussklaven oder Lustsklaven. Ihre Lebensumstände können sehr unterschiedlich ausfallen: Erste können wie Vieh gehalten werden, während letztere ein vergleichsweise gutes Leben führen können. Die Lustsklavin eines reichen Händlers vermag in dessen Haushalt die Stellung seiner Ehepartnerin einnehmen.

Dennoch wird selbst jeden Sklavin immer weniger Ansehen in der Gesellschaft genießen als der niederste Bettler. Denn das Sklavendasein ist ein Makel, den man nie wieder loswird, selbst wenn man einmal frei sein sollte.

Die Trennung zwischen Menschen ohne Makel und solche mit ist extrem strikt ("rote Linie"). Dazu trägt bei, dass der Makel körperlich gemacht wird: Bei Waldmenschen ist es ihre dunklere Haut, bei anderen Sklaven sind es Brandzeichen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass folgende Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit eine Gesellschaft eine Form der Sklaverei hervorbringen kann:

I - ein gesellschaftlich akzeptierter Mechanismus, durch den Freie kontrolliert Sklaven werden können - es gibt eine Quelle von Sklaven außerhalb der Gesellschaft (zurückgebliebene Völker) II durch eine ungleichmäßige Verteilung von Besitz (einige wenige besitzen ungleich viel mehr als der Rest) gibt es Bedarf an Sklaven III - es gibt die Bereitschaft, Menschen als Ware zu betrachten - eine strikte Trennung zwischen der Gruppe der Sklaven und dem Rest der Gesellschaft schafft Sicherheit, dass nicht große Teile der Gesellschaft plötzlich zu Sklaven werden


Versuch der Übertragung auf Al'Anfa:

I Es gibt eine Quelle außerhalb. Über einen internen Weg, Sklave zu werden, wissen wir nichts, die Möglichkeit, dass es einen solchen gibt, besteht aber. II Eine ungleichmäßige Verteilung von Besitz ist vorhanden. III Es gibt eine rote Linie, denn die Gesellschaft ist folgendermaßen aufgebaut:

Granden – Fanas – Sklaven

Die Fanas sind die Freien Al'Anfas. Zwischen den drei Gruppen besteht jeweils eine kaum überbrückbare Kluft.

Es sind also alle drei Voraussetzungen gegeben.


Nun lässt sich die Ausgangsfrage beantworten:

Entscheidend für das Vorhandensein von Sklaverei in der tulamidischen Gesellschaft: Die Händler - bringen die Bereitschaft, Menschen als Ware anzusehen. - schaffen durch die Anhäufung von Besitz eine ungleichmäßige Verteilung von Reichtum. - stellen einen akzeptieren Mechanismus zur Verfügung, indem sie Menschen deren Schulden erlassen, wenn diese sich freiwillig in die Sklaverei begeben.

Die Händler sind zwar phexgläubig, werden sich aber aus den vielen Lehren der Phexkirche die für sie bequemste herausgreifen, nämlich die, dass man sich seine persönliche Freiheit erst erkämpfen muss.

Eine mögliche Argumentation könnte dabei lauten: Sklaven, die gewaltsam zu solchen gemacht wurden, hätten eben besser für ihre Freiheit kämpfen sollen. Solche, die sich unter der Last ihrer Schulden in die Sklaverei begeben haben, hätten eben auf finanzieller Ebene besser kämpfen müssen. In die Sklaverei geborene Menschen sind auf eine der beiden anderen Arten Sklave zu werden zurückzuführen: Hier haben eben die Vorfahren nicht genügend gekämpft und versagt.


Gaben/Eigenschaften der Götter:

Phex: die Gabe eines intuitiven Gespürs für einen guten Tausch

Rahja: Gefühle aller Art, egal ob positiv oder negativ, empfinden zu können

Praios: meine Meinung: Praios gab uns die Fähigkeit, uns unterzuordnen, unsere Freiheit beschränken zu lassen, um ein funktionierendes Gemeinwesen aufbauen zu können Eslams Meinung: Praios gab uns die Fähigkeit, Gerechtigkeit erkennen zu können; eng verwandt mit Phexens Gabe; der Unterschied liegt darin, dass hier eine Seite nicht mehr verhandelbar ist, weil hier schon etwas passiert ist, nun wird ein Ausgleich vereinbart; dieses Geben ist kein freiwilliger Prozess 1)

Rondra: Heldenmut; die Fähigkeit, im rechten Augenblick über sich selbst hinauszuwachsen, trägt jeder in sich, aber viele glauben es nicht 2)

Efferd: Schicksalsergebenheit; Stellen der Frage nach dem Sinn des Lebens; Schwermütigkeit; die Gabe zu akzeptieren, dass es Dinge im Leben gibt, die man nicht zu ändern vermag, und trotzdem nicht zu verzweifeln, sondern weiterzumachen (Hängt alles miteinander zusammen und stellt nur verschiedene Aspekte derselben Sache dar.)

Travia: Mutterliebe; diese unbedingte Liebe dem eigenen Nachwuchs gegenüber, auf dem Familie beruht, die wiederum unsere Gesellschaft aufbaut

Boron: das Vergessen

Hesinde: ich: Verstand, Eslam: Wissensdurst Synthese: Beides geht Hand in Hand und bedingt sich gegenseitig; ohne den Wissensdurst versiegt der Verstand, aber wo es keinen Verstand gibt, findet sich auch kein Wissensdurst

Firun: Leidensfähigkeit in körperlicher Hinsicht

Tsa: die Fähigkeit, einen Neuanfang zu wagen und sich auf Unbekanntes einzulassen

Peraine: Geduld

Ingerimm: Kreativität

Kor: Aggressivität, Selbstbehauptung 3)

Marbo (wurde von Eslam genannt): Hier fanden wir nichts. Marbo steht für den Tod als Erlösung, aber der Tod ist keine Gabe, sondern ein unausweichliches Schicksal, resultierend daraus, dass die Menschen nur noch wenig von Sumus Atem erhielten.

Ifirn (Erwähnung von mir): Milde, Güte

Frage: Was ist mit der Gabe "Vertrauen"? Es muss sich um eine Gabe handeln, weil es eigentlich ein dummes, schädliches Verhalten ist, aber ohne die Gabe selbst wildfremden Menschen zu vertrauen, keine Gesellschaft möglich wäre. Vertrauen gehört mit Misstrauen zusammen - wie sähe eine Welt ohne Misstrauen aus? Wessen Gabe sind Vertrauen und Misstrauen? Vertrauen allein: Travia, Rahja oder ähnliche aber mit Misstrauen: Phex, denn beim Handeln wird ja auch ein gewisses Vertrauen verlangt, dass der andere seinen Teil des Handels hält. 4)


1) Hier kam es zu einer Diskussion über die Unterschiede und die jeweilige Effektivität des mittelreichischen und des tulamidischen Rechtssystems. Eslam beharrte darauf, dass das System von selbstständig arbeitenden Jägern der Nacht dem von Gardisten und Richtern überlegen sei. Ich hielt dagegen, dass beides im Prinzip vergleich bar ist.

Seine Argumente:

   Jäger der Nacht sind effektiver, weil sie ihre Taten nur vor sich selbst und Phex rechtfertigen müssen. Gardisten dagegen sind an das geschriebene Gesetz gebunden und dürfen nur auf legalem Weg erworbene Beweismittel vorbringen.
   Jäger der Nacht arbeiten im Geheimen und niemand weiß, wieviel es von ihnen gibt. Außerdem haben sie ein dichtes Netz von Zuträgern in der Bevölkerung. Das macht sie zum einen unvorhersehbar, zum anderen werden ihnen die Taten Krimineller schnell zugetragen. Außerdem führt das dazu, dass Kriminelle von vornherein abgeschreckt werden, müssen sie doch immer damit rechnen, einen Jäger oder dessen Zuträger vor sich zu haben.
   Jäger der Nacht haben eine besonders gute Ausbildung hinter sich und sind geweiht. Dadurch fallen ihre Urteile stets gerecht aus, sie sind nicht korrumpierbar, und sie erkennen eventuelle Verräter unter ihren Zuträgern. 

Argumente dagegen:

   Die augenscheinliche Freiheit der Jäger besteht nur in der Theorie. In der Praxis haben auch sie sich bei ihrer Informationssuche an die Regeln der Gesellschaft zu halten, seien diese nun schriftlich fixiert oder ungeschrieben, sonst wird die Gesellschaft sehr schnell gegen den Jäger aufbegehren. Zudem ist die Freiheit der Gardisten nicht so begrenzt, wie es zunächst den Anschein hat: Die Zahl der gültigen Gesetzestexte ist so groß, dass kein Mensch all das überschauen kann. Ein findiger Gardist kann sich dadurch einen sehr großen Handlungsspielraum erschaffen. Außerdem kann der Gardist Genehmigungen für die Informationsbeschaffung abseits der legalen Wege erhalten.
   Der stärkste Punkte der Jäger der Nacht, aber gleichzeitig auch der schwächste. Die Gardisten verfügen über die Ressourcen, vielen Spuren auf einmal zu folgen, viele Fälle auf einmal zu untersuchen, wo der Jäger der Nacht Probleme hat. Es gibt nicht so viele Geweihte, die so leben (in Mherwed ist es zum Beispiel nur eine). Selbst wenn ihnen alle Informationen schnell zugetragen werden, müssen sie sie doch selbst auswerten (sonst fällt Punkt 3 weg, die Verlässlichkeit der Jäger als Geweihte, da sie Urteile fällen, ohne den Fall genau zu kennen).

Zudem können auch Gardisten sehr wohl verdeckt ermitteln und Hinweisen aus der Bevölkerung folgen. Dafür müssen die Menschen noch nicht einmal direkt auf die Garde zugehen; es gibt so viele Gardisten, die wiederum so viele Verwandte oder Bekannte haben, dass früher oder später alle Informationen bei der Garde landen.

   Selbst Weihe und Ausbildung schützen nicht vor I) Zuwendungen zu den Feinden der Götter II) Irrtümern. Zwar überwachen andere Jäger der Nacht ihresgleichen, doch gibt es nur wenige, die viel zu tun haben, so dass es dauern kann, bis ein gefallener Jäger auffällt. Auch Phexgeweihten kann es passieren, dass sie Situationen falsch einschätzen und Fehler machen. Da sie ihre Fälle allein bearbeiten, bemerkt niemand diese Fehler, und eventuell kommen Unschuldige zu Tode.

Ein gutes Beispiel hierfür ist wohl der Fall Atres' und Heridians. Jamilha kannte nicht die ganze Situation, tötete beide beinahe und schickte damit um ein Haar deren Seelen ungerechtfertigt in die ewige Verdammnis. Zudem können auch Phexgeweihte andere Menschen völlig falsch einschätzen: So schätzt Jamilha Eslam völlig falsch ein und erkennt nicht, dass beide zur selben Gruppe von Geweihten gehören und Eslam ihr eventuell deutlich überlegen ist (auf einigen Gebieten bin ich mir in der Hinsicht sehr sicher). Auf der anderen Seite darf man auch nicht übersehen, dass auch Gardisten eine gute Ausbildung erhalten, zumindest solche, die in höhere Posten aufsteigen. Außerdem wurden diese Menschen auf die Götter und ihre Gesetze eingeschworen. Man kann also wohl nicht behaupten, dass der Großteil der Gardisten korrupt wäre und götterlos handeln würde.


2) Eslam versuchte mir an dieser Stelle durch einen rhetorischen Griff weiszumachen, dass die Tulamiden Phex und Rahja deshalb so verehrten, weil sie "nützliche" Gaben gegeben hätten, die der Mensch in seinem Alltag braucht. Die "Güldenländer" (wie er die Mittelreicher zu nennen pflegt - mich eingeschlossen) beteten dagegen vornehmlich Praios und Rondra an, die ihnen selten etwas zu bieten hätten. Mit dieser Schlussfolgerung bin ich nicht einverstanden. Es ist wahr, dass die Gaben Rahjas und Phexens auf den ersten Blick stärker präsent sein mögen. Sie regeln den persönlichen Umgang miteinander, das menschliche Gefüge auf unterster Ebene. Jeder erlebt zu jeder Zeit eine Vielzahl an Gefühlen, die andere in ihm auslösen. Das jeder Schritt im Leben auf dem Prinzip von Geben und Nehmen basiert, hatten wir ebenfalls festgestellt. Das bedeutet nun aber nicht, dass Rondras und Praios' Gaben weniger präsent wären. Ironischerweise sind sie nur nicht so leicht auszumachen, weil die meisten Menschen die Auswirkungen dieser Gaben für selbstverständlich halten. Zunächst zu Praios: Seine Ordnung, Urischar, und sein Gesetz, Schelachar, bilden den Rahmen unserer Gesellschaft, bilden die Form, innerhalb derer sie sich bilden kann, stützen sie und halten sie aufrecht. Ohne Praios' Gaben gäbe es nur Chaos und Anarchie, und es könnte sich keine Zivilisation ausbilden. Ohne Gerechtigkeit verbreitete sich das Verbrechen und stürzte Menschen ins Unglück. Wir mögen es täglich nicht bewusst wahrnehmen, aber die geordnete Welt wie wir sie kennen, wäre ohne Praios' Gaben nicht möglich. Zu Rondra: Auch hier nehmen wir nicht wahr, dass unsere Welt eine solche ruhige, sichere ist, weil ihre wenigen Geweihten sie mit ihrem Heldenmut schützen. Was uns selbstverständlich scheint - wenige Dämonenanbeter in den zivilisierten Landen, Geschmeiß wie die Orks zurückgedrängt in unwirtliche Gebiete, "ehrliche" Kriege - ist in Wahrheit auf die Gaben Rondras zurückzuführen. Nicht nur im Heldenmut des Geweihten, der das Dämonengezücht erschlägt, sondern auch im Bauern, der seine Familie mit der Mistgabel vor allen Bedrohungen schützt. Ich bin roh, dass ich in einer sicheren Gegend aufgewachsen bin, sicher dank Rondras Gaben, so dass ich nicht gezwungen war, öfter den Heldenmut in mir zu wecken, um mein Leben oder das meiner Familie oder unseren Besitz zu schützen - oder, schlimmer noch, unsere Seelen. Ich habe Rondras Gabe noch nie anwenden müssen, aber deshalb würde ich sie niemals als geringer ansehen, als die Gabe lachen und weinen zu können. Der Zwölfkreis der Götter ist nur gemeinsam stark. Jeder der Götter hat den Menschen auf seine Weise gegeben, damit die Menschheit Zivilisationen aufbauen und erblühen kann. Es ist kurzsichtig, nur den Göttern für ihre Gaben zu danken, bei denen diese stets offensichtlich sind, und zu vergessen, dass wir auch die Auswirkungen der anderen Gaben genießen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ehe ich zu diesem Schluss kam. So schien mir zunächst der Nutzen von Peraines Gabe, der Geduld, zweifelhaft. Doch gäbe es nicht Menschen, die damit gesegnet wären, im Frühjahr Samen aussähten, die Pflanzen hingebungsvoll einen halben Götterlauf hegten, um dann im Herbst ernten zu können, so wären wir alle wohl schon längst verhungert. Und so lässt sich mit allen göttlichen Gaben fortfahren. Es ist legitim, einigen Gaben "mehr zu mögen" und die entsprechenden Gottheiten besonders zu verehren, aber es ist gefährlich, Gaben, die einem selbst weniger zusagen, als unnütz abzutun.


3) Hier wartete Eslam mit der Überzeugung auf, dass Kor nicht Rondras Sohn sei, sondern eine eigenständige Gottheit. Ich konterte mit den göttlichen Offenbarungen, z.B. Silem-Horas', aber er beharrte darauf, dass sich menschliche Familienformen nicht auf das Göttliche übertragen ließen. Seine Argumentation hört sich schlüssig an, aber andererseits bedeutet das gleichzeitig, dass viele Offenbarungen als falsch angesehen werden müssten. Und das zu akzeptieren fällt mir dann doch schwer.


4)Eslams Schlussfolgerung: Wir haben jetzt schon so viele Dinge aufgezählt, die grundlegend unser Leben bestimmen und die wir Phex verdanken - damit ist sicher, dass Phex auch unser Schöpfer sein muss. Das ist Eslams tiefste Überzeugung, aber ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Haben die anderen Götter dem Menschen nicht genauso von ihren Gaben gegeben? Und bezieht sich das dann nur auf die Tulamiden? Was ist mit den "Güldenländern"? Funktioniert ihre Gesellschaft nicht im Grunde gleich? Was ist mit den "wilden Völkern"? Was mit Thorwalern, Nivesen, Waldmenschen? Wie ich aus Erfahrung weiß, fügen auch sie sich nahtlos in unsere Gesellschaft ein, wenn sie dort aufgewachsen sind - ihre Anlagen sind also die gleichen. Sind also alle Menschenvölker von Phex geschaffen worden? Wenn nicht, von wem dann? Ich werde Eslam fragne müssen, doch fürchte ich, dass sich dann die schon lange angekündigte Lektion über "Macht & Einfluss" noch um einiges verschieben wird!


zu 3) Mittlerweile - nach einigem Nachdenken - bin ich der Überzeugung, dass wie so oft auch in diesem Fall die Wahrheit in der Mitte gesucht werden muss. Kor ist nicht Rondras Sohn, dennoch behält Silem-Horas recht, der immerhin göttliche Eingebungen hatte. Was Silem-Horas gesehen hat, ist eine an den menschlichen Geist angepasste Vorstellung der Götterwelt. Die wahren Begebenheiten zu verstehen, wären wir niemals in der Lage, deshalb offenbarten uns die Götter ihre Beziehungen auf eine Weise, die wir in unsere Welt übertragen können.

Xeledon, den ich schon einige Male persönlich treffen konnte, ist nicht der Sohn von Hesinde und einem Sterblichen. Warum sollte eine Göttin wie eine gemeine Menschenfrau Kinder bekommen? Schon die Unterschiede in der Fortpflanzung zu anderen aventurischen Wesen sind so groß - wie unendlich größer müssen sie sein, vergleicht man den Menschen mit solch omnipotenten Wesen wie den Göttern?