Am Großen Fluss/Rezension

aus Wiki Aventurica, dem DSA-Fanprojekt
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Im Jahr 1991 erschien mit Das Fürstentum Albernia eine der ersten Regional-Spielhilfen für Das Schwarze Auge. 1998 wurde (interessanter weise als eine der letzten Regionalbeschreibung für DSA3) Stolze Schlösser, dunkle Gassen, das sich dem zentralen Mittelreich widmete, veröffentlicht. Im Rahmen der Überarbeitung nach DSA4 wurden die Regionalbeschreibungen jetzt neu gegliedert. Als erste Mittelreichbeschreibung ist nun Am Großen Fluss erschienen. Der Band widmet sich Albernia, Windhag, Nordmarken, dem Kosch und den Feenlanden. Die restlichen Teile des Mittelreichs sollen zu einem späteren Zeitpunkt in zwei weiteren Regionalbeschreibungen behandelt werden, von denen die eine den Titel Herz des Reiches tragen wird. Der dritte und letzte Band ist momentan noch ohne Titel.

Dem obligatorischen Vorwort (hier von Momo Evers verfasst) folgt der "Drachenflug", ein Überblick über die in Am Grossen Fluss beschriebene Region aus der Perspektive des Drachen Ylshskaar (also von oben). Als nächstes kommt die ebenfalls obligatorische Geschichte der Region, ab etwa 36.000 Jahre zurück bis zur jüngsten Gegenwart des Jahrs der Feuers reicht. Nach einem kurzen Intermezzo mit dem Gedicht "Der Nebelsänger" geht es weiter mit Informationen zur Politik am Großen Fluss und zum Krieg in Albernia. Hieran schließt sich auf 103 Seiten die eigentliche Regionalbeschreibung an. Hier werden Albernia, Windhag, Nordmarken, der Kosch und der Große Fluss selbst detailliert beschrieben. Von Städtebeschreibungen über Glaube bis hin zu Festen und Bräuchen findet sich hier alles, was ein Spielleiter braucht, um die Regionen im Abenteuer detailliert darstellen zu können. Der nächste Abschnitt widmet sich den Feenwesen und ihrer Welt. Es schließen sich Kapitel über berühmte und berüchtigte Personen und die Mysteria et Arcana an. Abgeschlossen wird Am Grossen Fluss von Irdischem für Liebhaber der Region und schließlich dem Index.

Im Gegensatz zu den jüngst erschienenen Regionalbeschreibungen will sich bei mir bei Am Grossen Fluss kein rechter Spannungsbogen aufbauen. Man merkt man dem Buch auch recht deutlich an, das sehr viele Autoren mitgewirkt haben. Phasenweise wirken die Texte "zusammengestückelt". Das alles wirkt sich negativ auf den Lesefluss aus.

Ein weiterer Grund hierfür mag in der Tatsache zu suchen sein, dass in Am Grossen Fluss wenig Exotik enthalten ist. Die hier beschriebenen Regionen sind dem europäischen Mittelalter relativ ähnlich. Diese Ähnlichkeiten haben natürlich auch ihre Vorteile: Der in der Spielhilfe vermittelte Inhalt ist ziemlich eingängig und es fällt leicht, die Beschreibungen zu verinnerlichen.

In den in der jüngsten Vergangenheit veröffentlichten Publikationen waren regelmäßig regionale Besonderheiten bei der Heldenerschaffung (z.B. spezielle Professionen) enthalten. Dieser Bereich fehlt dieses Mal vollständig, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die im DSA4-Regelwerk genannten Werte quasi schon regionalspezifisch für das westliche Mittelreich und Albernia sind. Trotzdem schade.

Das Layout lässt hingegen keine Wünsche offen. Die Regionalbeschreibung ist optisch ansprechend und übersichtlich gestaltet. Neben hochwertigen Illustrationen finden sich auch immer wieder Karten zum besseren Verständnis. Für das Rollenspiel besonderes interessante Informationen sind wie gewohnt grau unterlegt.

Trotz der Kritikpunkte bietet Am Grossen Fluss alle Informationen, die für das Rollenspiel in der Region nötig sind. Kenner und Liebhaben dürfen sofort zugreifen. Die Ähnlichkeit zu unserer eigenen Geschichte macht die Region relativ leicht zugänglich und daher ist die Spielhilfe auch die geeignetste Wahl für DSA-Anfänger. Von mir erhält Am Grossen Fluss 7 von 10 Punkten. Bleibt noch die zugehörige Anthologie abzuwarten ...

--Marc Völker, 2005